Polizei entwaffnet Neonazis

Pressemitteilung

 

Polizei entwaffnet Neonazis

Die Türkische Gemeinde begrüßt das Vorgehen der Innenbehörde gegen Personen der rechtsextremen Szene.

Dass erst die Mordserie der Zwickauer Neonazi-Zelle Anlass zu derart konsequentem Vorgehen war, ist zu bedauern; umso wichtiger ist jetzt, dass alle Dienste in Deutschland den Druck auf Rechtsextreme und Neonazis hoch halten, um so die Bildung neuer Zellen zu verhindern oder zumindest zu erschweren. Doch darf sich präventives Vorgehen nicht auf polizeiliche Maßnahmen beschränken.

Genau so wichtig ist es, faschistoiden Ideologien entgegenzutreten, um insbesondere junge Menschen vor braunem Gedankengut zu schützen. Dazu bedarf es vieler kreativer Konzepte, für deren Umsetzung die Behörden entsprechende Mittel bereitstellen müssen.

Hüseyin Yılmaz
(Vorsitzender)

 

Download: pm_11-12-23_polizei-entwaffnet-neonazis.pdf

EW: Hoch die internationale Solidarität!

"Hoch die internationale Solidarität" - Schweigemarsch an Gedenken der Terroropfer

Elbe Wochenblatt
von Inge Hannemann aus Altona | am 20.11.2011
 
Vertreter der Türkischen Gemeinde Hamburg fordern die Aufklärung der Nazimorde

Hamburg: Große Bergstraße | „Hoch die internationale Solidarität“, lautete der laute Abschlussappell des Schweigemarschs vom Samstag, 19. November 2011 von Altona nach Bahrenfeld. Mehrere hundert Menschen versammelten sich auf Aufruf durch den Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB), die türkische Gemeinde Hamburg, “Unternehmer ohne Grenzen“ und „Laut gegen Nazis“ in Altona.
In Gedenken an den 2001 ermordeten Gemüsehändler Süleyman Tasköprü (31) sowie der neun vermutlichen weiteren Mordopfer der rechtsextremen Terrorgruppe „Nationalistischer Untergrund“, gedachten neben Landsleuten auch Hamburgs Innensenator Michael Neumann (SPD) und der türkische Generalkonsul Devrim Öztürk den Opfern. „Angesichts der Kontinuität terroristischer Aktivitäten von Rechtsextremisten über Jahrzehnte appellieren wir ausnahmslos an alle Bürgerinnen und Bürger dieser Entwicklung Einhalt zu gebie­ten“, so die Forderung der türkischen Gemeinde in Hamburg. Die Forderung nach einer schnellstmöglichen Aufklärung der Morde, das Verbot von V-Leuten in der NPD, und dass alle Beteiligten zur Verantwortung gezogen werden, forderten Sprecher wie Hüseyin Yilmaz (Türkische Gemeinde Hamburg).
Uwe Grund (DGB): „Der Aufstand der Anständigen ist notwendig, über die Parteigrenzen hinweg“. Grund sah sich am heutigen Tag in der Meinung bestätigt, dass die Gewerkschaften bereits vor Jahren vor zuviel Demokratieverachtung, Menschenfeindlichkeit, Hass und Intoleranz gewarnt und das schlimmste Folgen haben wird. Auf den Transparenten forderten die Demonstranten „Nazimorde aufklären“ und „Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen“.

Ein Gedenkteppich mit den Fotos der Mordopfer

Zahlreiche Fotos von den Opfern, verziert mit einzelnen roten Rosen, lagen als Teppich auf dem Gehsteig. Stille Mahnungen, neben zahlreichen Wortverkündungen. Stiller Marsch über Ottensen nach Bahrenfeld bis zum Schützenplatz. Dort, in der Schützenstraße, wo das vermutliche Opfer Tasköprü seinen Gemüseladen hatte. „Die Liebe unter den Menschen sollte unabhängig ihrer Religion vorhanden sein“, so die Studentin Duygu Sahbaz (25). Ein selbstgeschriebenes Gedicht in türkischer Sprache mit der Forderung und Hoffnung nach mehr Toleranz und Liebe. Es wird wohl nicht die letzte Aktion unter „Es lebe die Geschwisterlichkeit der Völker und die internationale Solidarität“ (ATIF – Förderation der Arbeiter aus der Türkei in Deutschland) sein.

 
 
 
 

Die Welt: V-Leute auf dem Prüfstand

Die Welt   21.11.2011

V-Leute auf dem Prüfstand

Hamburger Verfassungsschutzchef verteidigt aber generell Methoden zur Beobachtung der rechtsradikalen Szene - Schweigemarsch für in Bahrenfeld ermordeten Gemüsehändler

Rund 180 Rechtsextreme gelten in Hamburg als gewaltorientiert. Insgesamt sinkt aber die Zahl der erfassten Aktivisten

Mehrere Hundert Menschen haben am Sonnabend an einem Schweigemarsch für die Opfer der Neonazi-Mordserie in Hamburg-Altona teilgenommen. Während zur Auftaktkundgebung gut 300 Demonstranten kamen, wuchs deren Zahl nach Polizeiangaben später auf 800 an. Unter den Teilnehmern waren auch Hamburgs Innensenator Michael Neumann (SPD) und der türkische Generalkonsul Devrim Öztürk. Auf einem Transparent forderten die Demonstranten "Nazimorde aufklären!". Sie zeigten zudem Bilder der türkisch- und griechischstämmigen Opfer sowie von Menschen, die seit 1990 durch rechtsextremistische Gewalt umkamen. Die Demonstration begann am Bahnhof Altona und führte an dem Gebäude in Bahrenfeld vorbei, wo im Jahr 2001 ein Gemüsehändler vermutlich von der Neonazi-Gruppe aus Zwickau erschossen wurde.

Der Chef des Hamburger Verfassungsschutzes, Manfred Murck, macht sich unterdessen für den weiteren Einsatz von V-Leuten stark. "Da wird man nicht drauf verzichten können und wollen", sagte er. Man könne über V-Leute moralisch viel grübeln, Tatsache sei aber, dass sie gesetzlich erlaubt seien und wichtige Ergebnisse lieferten. "Es kommt darauf an, wie V-Leute eingesetzt werden, wie sie geführt werden, wie sie kontrolliert werden", sagte Murck. Diese Fragen stünden jetzt zu Recht auf dem Prüfstand.

Der Leiter des Landesamtes für Verfassungsschutz betonte, die Zusammenarbeit mit solchen Vertrauenspersonen (V-Leuten) sei ein wichtiger Teil des Geschäftes und laufe in aller Regel in vernünftigen Bahnen. "Das ist die handwerkliche Kunst des Verfassungsschutzes, V-Leute vernünftig zu führen", betonte er. Man müsse sich der Risiken bewusst sein und darauf achten, dass nichts aus dem Ruder laufe. Dazu gehöre insbesondere die mögliche Verwicklung von V-Leuten in Straftaten.

Die Kritik am Verfassungsschutz könne er in Teilen nachvollziehen. "Wenn eine Mordserie, die die Republik ja viele Jahre ziemlich umgetrieben hat, auf einmal in einem ganz anderen Licht steht, ... dann ist es doch selbstverständlich und gerechtfertigt, dass da Fragen gestellt werden und dass auch schon mal erste Vorwürfe erhoben werden." Die "Selbstverständlichkeit und Wucht" der Kritik und Empörung empfinde er jedoch als vorschnell. "Man sollte nicht vorschnell einzelne Ämter oder Arbeitsweisen, wie eben die V-Männer, verdammen", forderte Murck. Dass Fehler passieren könnten, sei nicht völlig auszuschließen. Ein fahrlässiges, möglicherweise sogar bewusst regelwidriges Handeln müsse Konsequenzen haben.

Den Vorwurf, den Rechtsextremismus zu sehr aus den Augen verloren zu haben, will Murck nicht gelten lassen. "Wer das jetzt so sagt, der hat die letzten zehn Jahre entweder nicht verstanden oder ignoriert unsere Aufklärungserfolge", sagte er. Tatsache sei zwar, dass man einen Schwerpunkt auf islamistisch motivierten Terrorismus gesetzt habe, das sei aber so gewollt und erforderlich gewesen. "Wir sind dabei alles andere als auf dem rechten Auge blind geworden und auch nicht auf dem linken, sondern haben in diesen Bereichen nach wie vor funktionstüchtige und effektive Arbeitsabschnitte", betonte Murck.

In Hamburg gibt es nach Angaben des Verfassungsschutzchefs seit Jahrzehnten eine relativ aktive rechtsextreme Szene. Diese habe auch ausstrahlende Wirkung gehabt und sei Teil der allgemeinen Vernetzung gewesen, so habe es auch einzelne Kontakte zum Thüringer Heimatschutz gegeben. Die Szene sei mehrere Jahre sehr eng mit der NPD verbunden gewesen, nach dem Tod des Mäzens und Vorsitzenden Jürgen Rieger sortiere sie sich aber neu. Die NPD habe sich zwar organisatorisch halbwegs stabilisiert, blieb bei der Bürgerschaftswahl aber sogar unterhalb der für eine staatliche Parteienfinanzierung maßgeblichen Einprozenthürde.

Insgesamt sei die rechtsextreme Szene zahlenmäßig kleiner geworden. 2010 ist die Zahl der erfassten Aktivisten und Anhänger nach Angaben von Murck erstmals unter 500 auf 480 gesunken. Man zähle in Hamburg 140 "subkulturelle Rechtsextremisten", welche vor allem über die Musik oder andere Symbole in Erscheinung träten, 70 Neonazis sowie 130 DVU- und 140 NPD-Mitglieder. Rund 180 Rechtsextreme gelten als gewaltorientiert. Die Zahl der Gewalttaten aus der rechten Szene sei in Hamburg im Jahr 2008 am höchsten gewesen, seitdem habe sie sich wieder auf dem Niveau von 20 bis 30 Gewalttaten pro Jahr eingependelt. lno

 

http://www.welt.de/print/die_welt/hamburg/article13727304/V-Leute-auf-dem-Pruefstand.html

HA: Noch mehr V-Leute im Umfeld des Neonazi-Trios

Noch mehr V-Leute im Umfeld des Neonazi-Trios

In Hamburg gedenken Menschen mit Trauermarsch der Opfer rechter Gewalt

Hamburg/Berlin. Die deutschen Geheimdienste hatten offenbar engeren Kontakt zu dem Neonazi-Trio aus Zwickau als bisher bekannt. Der Thüringer Verfassungsschutz habe Ende der 90er-Jahre mindestens drei V-Leute im Umfeld der Rechtsextremisten Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Z. geführt, berichtet der "Spiegel". Laut "Focus" wurde der Militärische Abschirmdienst (MAD) kurz nach dem Verschwinden des Trios 1998 über dessen Aufenthaltsort informiert.

Dies soll der MAD-Präsident Karl-Heinz Brüsselbach den Mitgliedern des Parlamentarischen Kontrollgremiums (PKG) des Bundestags am vergangenen Dienstag mitgeteilt haben. Wie der "Focus" weiter berichtet, hatte ein V-Mann des MAD den Tipp damals an eine Außenstelle der Behörde in Leipzig weitergegeben. Die Information sei zwar in die MAD-Zentrale nach Köln gereicht worden, dort aber liegen geblieben.

Zu den Informanten des Thüringer Verfassungsschutzes gehörten laut "Spiegel" neben dem Kopf des Thüringer Heimatschutzes, Tino B., auch der Chef der Thüringer Sektion der Organisation Blood & Honour ("Blut und Ehre"). Trotz der intensiven Durchdringung des Verfassungsschutzes war es den Geheimdiensten damals angeblich nicht gelungen, das untergetauchte Neonazi-Trio aufzuspüren. Der Thüringer Verfassungsschutz geht mittlerweile von etwa 20 Unterstützern aus, die dem Trio im Untergrund halfen.

Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) lehnte es weiter ab, die V-Leute aus extremistischen Organisationen abzuziehen. Im Falle der NPD sei es jedoch eventuell möglich, Informationen von V-Leuten durch eine bessere Vernetzung der Behörden in einem "Abwehrzentrum" zu ersetzen.

Im Schatten der Ermittlungen demonstrierten am Wochenende in mehreren Städten Menschen gegen Rechtsextremismus. In Hamburg versammelten sich am Sonnabendmittag rund 1000 Menschen im Gedenken an die Mordopfer des Zwickauer Neonazi-Trios zu einem Schweigemarsch. "Nazi-Morde aufklären!" und "Verfassungsschutz gehört aufgelöst, weil er Faschisten hilft" forderten die Demonstranten mit ihren Transparenten, mit denen sie durch die Neue Große Bergstraße in Altona zogen. In der Fußgängerzone legten sie Fotos der türkisch- und griechischstämmigen Opfer, aber auch von Menschen, die seit 1990 durch rechtsextremistische Gewalt getötet wurden, auf die Pflastersteine. Auch Hamburgs Innensenator Michael Neumann (SPD) und der türkische Generalkonsul Devrim Öztürk nahmen an der Demonstration teil, die auch in die Schützenstraße in Bahrenfeld führte, wo 2001 der Gemüsehändler Süleyman Tasköprü vermutlich von der Neonazi-Gruppe aus Zwickau erschossen wurde. Aufgerufen hatten zu dem Marsch der Deutsche Gewerkschaftsbund Hamburg und zahlreiche andere Organisationen, unter anderem die Türkische Gemeinde in Hamburg sowie "Unternehmer ohne Grenzen" und "Laut gegen Nazis".(coe/cu)

http://www.abendblatt.de/politik/deutschland/article2100061/Noch-mehr-V-Leute-im-Umfeld-des-Neonazi-Trios.html


taz: SPD-Politiker Ceyhun über die Nazimorde

20.11.2011
taz.de

SPD-Politiker Ceyhun über die Nazimorde

"Gesellschaft ist weiter als Behörden"

Den Migrationsexperten und SPD-Politiker Ozan Ceyhun überrascht, wie überrascht viele deutsche Politiker über das Vorhandensein von rechtsextremen Gewalttätern isind.Interview Alke Wierth

"Ich bin todsicher, dass Deutschland beim Kampf gegen Rassismus riesige Schritte gemacht hat" – Deutsche und Türken bei einem Schweigemarsch in Hamburg am Samstag.  Bild:  dpa

taz: Herr Ceyhun, nach Bekanntwerden des rechtsextremen Hintergrundes der Morde an neun Migranten in Deutschland ist die Bestürzung groß. Der Außenminister spricht der Türkischen Gemeinde sein Beileid aus und die Bundeskanzlerin teilt dessen Erschütterung. All das aber erst, nachdem die Türkische Gemeinde Deutschland politische Reaktionen laut einforderte. Warum ist das so?

Ozan Ceyhun: Erstens reagiert die deutsche Politik immer sehr langsam – auf innen- und außenpolitischer Ebene. Zweitens hat die heutige Bundesregierung aber auch Schwierigkeiten mit dem Thema Türken in Deutschland, Rassismus, Fremdenfeindlichkeit. Bis die Verantwortlichen da durchblicken, was zu tun ist, brauchen sie viel Zeit. Oder eben den Anstoß von außen, durch Medien oder eben die Türkische Gemeinde.

Wie finden Sie diese Beileidsbekundungen – sind sie angemessen oder etwas peinlich aufgrund ihrer Verspätung?

Ich finde das trotz allem erst mal gut. Es sind viele Fehler gemacht worden, was diese Morde betrifft. Es wurde etwa behauptet, dahinter stecke die türkische Mafia oder gar der türkische Geheimdienst – man hat die Täter viel stärker unter den Türken als anderswo gesucht. Jetzt wissen wir, dass es Taten von Rechtsradikalen waren. Und vor diesem Hintergrund ist diese fast übertriebene Reaktion dennoch gut.

Alke Wierth

Ozan Ceyhun 1960 geboren, war von 1990 bis 1992 Mitarbeiter der Bundestagsgruppe von Bündnis 90. Von 2000 bis 2004 war er für die SPD Abgeordneter im EU-Parlament. In Kürze erscheint sein Buch "Deutscher wirst Du nie". Foto: www.ceyhun.de

Wichtig ist sie vor allem als Signal an diejenigen, die in den Städten und Gemeinden als Bürgermeister oder Landräte oder in anderen Funktionen politische Verantwortung tragen. Sie werden dadurch motiviert, vor Ort auch das Notwendige zu tun: Die Menschen aus der Türkei zu besuchen, mit ihnen zu reden und ihnen deutlich zu machen, dass sie tatsächlich Mitglieder dieser Gesellschaft und Bürger dieses Landes sind.

Wie kommen diese Aktionen in der Türkei an?

Man freut sich, dass die deutsche Politik jetzt richtig handelt. Auch in der Türkei machen die Menschen sich übrigens Gedanken darüber, ob die türkische Seite sich anders hätte verhalten können, ob sie zu lange abgewartet hat. Die Türkei hätte für die Opfer, die türkische Staatsbürger waren, auf ernsthaftere Aufklärung drängen können. Da sind auch auf türkischer Seite Fehler gemacht worden.

Hier wird jetzt über ein NPD-Verbot und ein Zentralregister für Rechtsextreme diskutiert.

Ich bin als Demokrat grundsätzlich gegen Parteiverbote, weil ich nicht glaube, dass man mit Verbotspolitik etwas verhindern kann. Wir brauchen andere Maßnahmen, wenn wir verhindern wollen, dass der Sohn eines Professors Türken umbringt. Und zuallererst ist jetzt wichtig herauszufinden, wie blind die Sicherheitsbehörden auf dem rechten Auge genau sind.

Hat Sie das überrascht?

Mich überrascht vielmehr, wie viele Politiker jetzt überrascht sind oder so tun. Innenpolitiker sollten schon in der Lage gewesen sein, die Gefahr des Rechtsextremismus richtig einzuschätzen. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel sollte jetzt nicht so überrascht von einer Schande für Deutschland reden. Mit dieser Schande leben wir seit Jahren.

Sie haben sich nach einem irritierenden Erlebnis mit dem damaligen SPD-Bundeskanzler Gerhard Schröder, der Sie als sein Parteimitglied und deutschen Abgeordneten gefragt hatte, warum "Ihre Landsleute" in der Türkei Recep Erdogan wählten, aus Deutschland und der deutschen Politik zurückgezogen.

Nicht ganz. Ich bin immer noch Mitglied der SPD. Aber ich bin Doppelstaatler, ich lebe heute in beiden Ländern, bin in der SPD und in der hiesigen Kommunalpolitik aktiv und berate auch einen sozialdemokratischen Bürgermeister in Istanbul. Es ist eine Herausforderung, aber ich habe festgestellt, dass man sehr wohl aktives Mitglied von zwei Gesellschaften sein kann.

Dennoch heißt Ihr Buch, das Anfang nächsten Jahres erscheint: "Man wird nie Deutscher". Das klingt nicht optimistisch.

Aber das ist nicht negativ gemeint! Ich habe die deutsche Staatsbürgerschaft und bin Türke. Und das ist überhaupt kein Problem. Auch die Deutschen brauchen damit kein Problem zu haben. Im Gegenteil, solche Doppelidentitäten können für Deutschland von Vorteil sein.

Sieht derzeit nicht so aus, als würde das hier erkannt.

Ich bin todsicher, dass Deutschland beim Kampf gegen Rassismus riesige Schritte gemacht hat – wenn auch sicher noch nicht genug. Aber gesellschaftlich sind wir auf jeden Fall weiter als auf der Ebene der Politik und der Sicherheitsbehörden.

 

http://taz.de/SPD-Politiker-Ceyhun-ueber-die-Nazimorde/!82225/

RA Ünal Zeran zu den Mordserien

Zu der Mordserie möchte der Hamburger Rechtsanwalt Ünal Zeran dieses ARD Podcast empfehlen. Es ist ein sehr eindruckvolles Dokument (fast 1 Stunde) aus dem Jahre 2010. Es sind O-Töne von den Ermittlern.

Unter anderem kommt der Profiler Horn aus München zu Wort, der sich öffentlich nicht mehr äußern darf. 

http://www.podcast.de/episode/1579199/Auf_der_Suche_nach_dem_%22D%C3%B6nerkiller%22

 

In dem online Magazin MIGAZIN (Migrantion in Germany) veröffentlicht Zeran einen Artikel "Das Versagen ist systemimmanent - Verantwortliche gefährden Aufklärung des Neonazi-Terrors". Darin stellt er konkrete und augenfällige Fragen zu der Vorgehensweise bei den Ermittlungen.

 

VONÜnal Zeran

Der Autor ist seit 2002 als Rechtsanwalt in Hamburg tätig.

24. November 2011

 

Das Versagen ist systemimmanent

Verantwortliche gefährden Aufklärung des Neonazi-Terrors

Die Aufklärung des Neonazi-Terrors muss umfassend durchgeführt werden. Davon ist man derzeit aber weit entfernt. Mehr noch: So wie die Ermittlungen derzeit laufen, wird die Aufklärung sogar massiv erschwert.

Täglich werden neue Informationen zu den Hintergründen der terroristischen Morde geliefert. Die Presse ist gut informiert. Der Spiegel scheint jedoch besonders gut informiert zu sein. Sie waren die Ersten, die eine DVD zugespielt bekamen. Nun berichteten sie im Spiegel TV namentlich über weitere Verdächtige.

Kamerateams können zu Hause bei den weiteren Verdächtigen auftauchen und Fragen stellen. Die Namen werden genannt, die Wohnhäuser gezeigt, organisatorische Verbindungen zwischen den genannten Verdächtigen werden hergestellt.

Fragen über Fragen
Als Jurist muss man sich fragen, machen die Journalisten die Arbeit der Ermittlungsbehörden oder was macht das Bundeskriminalamt bzw. die Bundesanwaltschaft? Warum liegen bisher keine Erkenntnisse über die Verwicklung des thüringischen Verfassungsschutzes vor? Wie können wichtigen Details aus den laufenden Ermittlungen in die Öffentlichkeit dringen? Wie gelangen die Namen und Wohnorte von Verdächtigen in die Presse. Führen die richtigen Personen die Ermittlungen? Daran gibt es erheblich Zweifel!

Was nicht zu verstehen ist, warum werden keine weiteren Haftbefehle beantragt? Auf Antrag der Bundesanwaltschaft hat der Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs vor 8 Tagen (14. November 2011) lediglich Haftbefehl gegen Holger G. wegen des dringenden Verdachts der Unterstützung einer terroristischen Vereinigung erlassen.

Gibt man den Verdächtigen einen Vorsprung?
Wenn jetzt Unterstützungshandlungen anderer Personen wahrscheinlich sind, wo bleiben die weiteren Haftbefehle? Ist es keine Unterstützung Wohnungen oder Autos anzumieten, Personalausweise oder Bahncards zur Verfügung zu stellen?

Warum sind bislang keine weiteren Hausdurchsuchungen durchgeführt worden? Gibt es keine Verdunkelungsgefahr? Gibt es keine Fluchtgefahr, wenn so ein erheblich schwerer Vorwurf (Unterstützung einer terroristischen Vereinigung) im Raum steht? Die Verdächtigen werden durch die Presseveröffentlichungen gewarnt und haben jetzt Ruhe, Zeit und Gelegenheit, wichtige Beweisstücke zu vernichten oder selber unterzutauchen.

Was hat sich geändert?
Wird man der Öffentlichkeit erst wieder hinterher erklären, dass man hätte früher festnehmen oder durchsuchen müssen, weil wichtige Beweisstücke nicht erlangt wurden und die Verdächtigen jetzt nicht mehr aufzufinden sind? Wird dann wieder das Fehlen wichtiger Puzzlestücke beklagt, die im Zweifel zu Gunsten der Angeklagten/Beschuldigten berücksichtigt werden müssten und festgestellt, dass man die Dimension einfach unterschätzt habe? Wird wieder ein Bauernopfer vorgeführt werden, das alle Ermittlungspannen allein zu verantworten hat? Dann interessiert es aber vielleicht kaum noch, wer versagt hat. Um die Person geht es nicht. Es sind die Strukturen.

Hier zeigt sich der Unwille, die wahren Hintergründe aufzuklären. Warum sollte ein System, das bisher u.a. aufgrund von Vorurteilen die Ermittlungen nicht richtig geführt hat, ohne erkennbaren Wandel, plötzlich anders agieren? Was hat sich am System im Vergleich zu der Zeit vor dem 04.11.2011 verändert? Gar nichts! Sind die Ermittler jetzt besonders sensibilisiert auf Rassismus? Nein. Jetzt wird nur noch gehandelt, um das Fiasko für den Staat in Grenzen zu halten.

Der Fisch stinkt vom Kopf
In einem Bundesland wie Sachsen oder Thüringen, wo systematisch jede antifaschistische Regung erfasst wird, und im Februar in Sachsen bei einer Anti-Nazidemo 200.000 Handydaten ausgespäht wurden, möchte man ernsthaft erklären, es hätten die juristischen und ermittlungstechnischen Mittel gefehlt, um die Naziszene zu beobachten? Hat man rechtsstaatliche Skrupel gegenüber den Nazis, welche bei ihren Gegnern und Antifas nicht gelten?

Hier wird nicht Rechtsbruch verlangt, sondern nur deutlich gemacht, dass der Fisch vom Kopf stinkt.

Fehlen den Ermittlungsbehörden jetzt die juristischen Mittel, um konsequent zu ermitteln und zu handeln? Nein, die juristischen Hürden sind bei einem derart gravierenden Vorwurf nicht besonders hoch. Das wissen alle, die mal in den 80ern und 90ern einen roten Stern an die Wand gesprüht haben, oder vor einigen Jahren das Wort „Gentrifizierung“ häufig verwendet haben.

Das Versagen ist systemimmanent
Will man der jetzt inhaftierten Beate Z. den Weg bereiten, sich als Kronzeugin oder als Mitwisserin, aber nicht als Mittäterin darzustellen? Wäre dies nicht ein weiteres Geschäft mit den Rechtsextremisten und eine Verhöhnung der Opfer?

Generalbundesanwalt a.D. Kay Nehm deutete bei der Talkshow „Beckmann“ an, dass es wohl das Einfachste wäre, wenn die beiden Toten für alles verantwortlich wären.

Es muss eine umfassende Ermittlung aller Tatumstände und Strukturen durchgeführt werden, die von einer internationalen und unabhängigen Kommission begleitet wird. Und die Ermittlungen dürfen nicht wieder jahrelang zur Verschlusssache erklärt werden. Wo der Staat zu sehr in die Sache verstrickt zu sein scheint, braucht man nicht zu erwarten, dass Vieles der Öffentlichkeit präsentiert werden wird. Aber genau diese Veröffentlichungen müssen jetzt gefordert werden.

Nein, es wäre zu einfach, es als Schlamperei abzutun. Das Versagen ist systemimmanent.

 

http://www.migazin.de/2011/11/24/zweifelhafte-ermittlungsmethoden-bei-der-aufklarung-des-neonazi-terrors/

 

Download: migazin-zeran-zur-mordserie.docx

Ein Spitzahorn für Billstedt

18. November 2011

Einladung/Hinweis an die Medien/Fototermin

Ein Spitzahorn für Billstedt

Türkische Gemeinde Hamburg spendet Baum in der Möllner Landstraße

Mit derzeit rund 292.000 Euro übertreffen die Spenden für die Kampagne „Mein Baum - meine Stadt“ alle Erwartungen. Davon können jetzt 584 Straßenbäume zusätzlich gepflanzt werden. Wenn für einen Baum 500 Euro Spendengelder zusammengekommen sind, zahlt die Stadt immer 500 dazu, denn durchschnittlich kostet ein Straßenbaum rund 1.000 €uro. Im Jahr der Umwelthauptstadt finanziert und pflanzt Hamburg außerdem 2011 Straßenbäume selbst und schließt damit alle Lücken in deren Bestand.  Wesentliches Ziel der Kampagne ist, dass diese Lücken überall in der Stadt gefüllt werden, gerade auch dort, wo wenig oder nicht gespendet wurde oder werden konnte.

Deswegen ist der Spitzahorn, der von der Türkischen Gemeinde Hamburg (TGH) für Billstedt gespendet wurde, besonders willkommen. Die TGH wird in Kürze dort ein Büro eröffnen und hat ihre Mitglieder um Spenden für einen Baum vor der Haustür gebeten. Den Spitzahorn möchten wir gern mit Ihnen gemeinsam pflanzen und laden dazu herzlich ein:  

 

„Mein Baum – meine Stadt“:

die Türkische Gemeinde Hamburg pflanzt einen Spitzahorn in Billstedt, Möllner Landstraße 22

Mo, 21. November, 12:30 Uhr

 

Mit: Devrim Öztürk, Türkischer Generalkonsul Hamburg 

Hüseyin Yilmaz, Vorsitzender der Türkischen Gemeinde Hamburg und Umgebung e.V.

Markus Schreiber, Bezirksamtsleiter Hamburg-Mitte

Hans Gabanyi, Leiter des Naturschutzamts in der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt  

Mehr dazu im Internet unter : www.meinbaum-meinestadt.de

Kontakt: Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt, Volker Dumann, T: (040)428.40-32 49, Volker.Dumann @bsu.hamburg.de.

Download: 111118_pe-mbms-billstedt-final-.docx

Aufruf zu einem Schweigemarsch

PRESSEMITTEILUNG                                                                                                                    Hamburg, 17.11.2011

Aufruf zu einem Schweigemarsch

Zahlreiche Organisationen, unter anderem TGH Türkische Gemeinde in Hamburg e.V., Unter­nehmer ohne Grenzen e.V. und Laut gegen Nazis e.V. rufen zum Schweigemarsch auf am:

Samstag, 19. November um 13:00 Uhr am Bahnhof Altona/ Neue Große Bergstraße

Mit diesem Schweigemarsch gedenken wir der mindestens zehn Mordopfer von rassistisch moti­viertem Terrorismus.

Die Entsetzlichkeit dieser Morde ist vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte und histori­schen Verantwortung umso niederschmetternder.

Angesichts der Kontinuität terroristischer Aktivitäten von Rechtsextremisten über Jahrzehnte, appellieren wir ausnahmslos an alle Bürgerinnen und Bürger dieser Entwicklung Einhalt zu gebie­ten!

Wir fordern,

  • dass alle Mordfälle schnellstmöglich aufgeklärt werden und alle Beteiligten zur Verantwor­tung gezogen werden,
  • das Verbot von V-Leuten in der NPD, als Vorbedingung eines Verbots einer Partei, die zu Gewalttaten auffordert und
  • die Durchführung einer systematischen und großangelegten Kampagne gegen Rechtsext­remismus und Rassismus, die erklärend und präventiv wirken soll und auch Repressalien im Blick hat. Dabei müssen auch soziale Netzwerke und soziale Medien im Internet mit einbezogen werden.

Ansprachen von:

Hüseyin Yilmaz, Türkische Gemeinde Hamburg
Uwe Grund
, DGB
Traute Springer-Yakar
, VVN-BdA
Jörn Menge
, Laut gegen Nazis

Kontakt:
Unternehmer ohne Grenzen e.V.
Kazim Abaci, Geschäftsführer
Tel.: 040/43 18 30 63, Email: k.abaci@uog-ev.de; www.unternehmer-ohne-grenzen.de

Türkische Gemeinde in Hamburg e.V.
Harald Winkels, Geschäftsführer
Tel.: 040/413 66 09-0/-13, Email: Harald.Winkels@TGHamburg.de; www.TGHamburg.de

Download: 2011-11-17_pm_aufruf-zum-schweigemarsch_final.pdf

Unternehmer: "Sind die Behörden auf dem rechten Auge blind?"

Hamburger Abendblatt

Deutschland

Rechtsterrorismus

Unternehmer: "Sind die Behörden auf dem rechten Auge blind?"

In Hamburg gedenken Menschen des ermordeten türkischen Händlers. Geschäftsleute: "Wir Unternehmer haben Angst." Pannenserie bei Fahndung.

Vetreter des Hamburger Vereins "Unternehmer ohne Grenzen" gedenken in der Schützenstraße des ersten Opfers der Nazi-Mordsorie, dem türkischen Geschäftsmann Süleyman Tasköprü
Foto: Bertold Fabricius/Pressebild.de/Bertold Fabricius

Hamburg. Behcet Algan schämt sich. Er legt eine rote Rose zu den anderen vor das Rolltor. Graffiti sind auf das Metall geschmiert, "H8Cops" und "USP". Der Fahrradladen in der Schützenstraße hat an diesem Tag geschlossen. Kamerateams sind gekommen. Algan schämt sich, weil er den Schlagzeilen in den Medien geglaubt hat. Süleyman Tasköprü soll Opfer der Drogenmafia gewesen sein, hieß es. Die Spuren würden bis nach Amsterdam führen. So sah es aus, damals, im Sommer 2001.

Tasköprü ist tot. Am 27. Juni 2001 wurde er am Eingang des Gemüseladens in der Schützenstraße 45 in Bahrenfeld erschossen. Mit einer tschechischen Ceska, Modell 83, Kaliber 7,65, durch gezielte Schüsse in den Kopf. Heute scheint klar: Tasköprü, gerade 31 Jahre alt, wurde Opfer der rassistischen Morde der Zwickauer Neonazi-Gruppe.

Behcet Algan, Friseursalon-Inhaber aus Ottensen, sitzt neben Hüseyin Yilmaz, Vorsitzender der Türkischen Gemeinde in Hamburg, Vertretern antirassistischer Initiativen und neben Kazim Abaci, Geschäftsführer von "Unternehmer ohne Grenzen". Der Verein lud gestern zu einer Pressekonferenz ein, im Weinlokal neben dem Tatort, wo heute kein Gemüse, sondern Fahrräder verkauft werden. Türkische Taxifahrer haben Blumen mitgebracht; außer Journalisten sind kaum Deutsche da. Auch der Bruder des Ermordeten sollte dabei sein, doch er stehe unter Schock, erklärt Abaci. Sein Arzt habe ihm abgeraten, vor die Kameras zu treten.

Treffen am Tatort: Unternehmer Behcet Algan (v. l.), Kazim Abaci (Unternehmer ohne Grenzen) und Hüseyin Yilmaz (Türkische Gemeinde)

Treffen am Tatort: Unternehmer Behcet Algan (v. l.), Kazim Abaci (Unternehmer ohne Grenzen) und Hüseyin Yilmaz (Türkische Gemeinde)

Im Weinlokal verliest Abaci die Namen der anderen neun Opfer in die Mikrofone vor ihm auf dem Tisch. "Wir Unternehmer haben Angst. Wir wissen nicht, mit wem die Mörder zusammengearbeitet haben und ob noch weitere Anschläge geplant sind", sagt Abaci, der auch für die SPD in der Bürgerschaft sitzt. In seinen Worten spiegeln sich Sorge, Entsetzen - und Wut über die Sicherheitsbehörden. Nur ein Zufall sei es gewesen, der die Ermittler auf die Spur der Neonazis geführt habe. Abaci fordert Aufklärung: "Sind die Behörden auf dem rechten Auge blind?" Es ist eine der vielen Fragen, die Abaci an diesem Vormittag in Altona stellt.

Auch in Thüringen und in Niedersachsen tauchten gestern weitere Fragen in dem Fall der Mordserie auf. Und weitere Nachrichten, die das Vertrauen von Menschen wie Algan und Abaci in den deutschen Staat erschüttern. Der niedersächsische Verfassungsschutz räumte Fehler bei der Fahndung nach den Thüringer Tätern ein. Der nach Niedersachsen gezogene Holger G. sei schon 1999 als Freund des untergetauchten Neonazi-Trios ausgemacht worden, bei dem Fahnder zuvor eine Bombenwerkstatt ausgehoben hatten. G. wolle Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe ein Quartier im Ausland vermitteln, war der Verdacht. Auftragsgemäß behielten die Niedersachsen Holger G. im Blick und erstatteten den Thüringern Bericht. Doch der Fall wurde dann nicht weiterverfolgt und G. nur als "Randfigur" bewertet, räumte Verfassungsschutzpräsident Hans Wargel ein.

Mordserie an Ausländern
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Warum beim Begriff Rechtsterrorismus nicht alle Alarmglocken angegangen seien und warum der Staatsschutz nicht eingeschaltet wurde, müsse untersucht werden, sagte Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU). Statt abgehörter Telefone und verdeckter Ermittlungen gab es vor allem Bürokratie - bis hin zum Löschen der Akte. Dabei waren den Fahndern die Verbindungen von G. zu den Neonazis längst bekannt - nur seien es wohl immer unterschiedliche Kollegen gewesen, die observierten und Daten sammelten, erklärte Wargel.

Holger G. sitzt derzeit in Untersuchungshaft. Er wurde Sonntag festgenommen. G. soll den mutmaßlichen Tätern 2007 seinen Führerschein und vor vier Monaten seinen Reisepass zur Verfügung gestellt und mehrfach Wohnmobile für das Trio angemietet haben. Ob eine weitere Überwachung nach 1999 die Täter hätte auffliegen lassen und die Morde verhindern können, ist unklar. Mundlos und Böhnhardt sind tot, sie haben sich laut Polizei umgebracht. Zschäpe sitzt in Untersuchungshaft. Ausgesagt hat sie bisher nicht.

Soll den Zwickauer Tätern geholfen haben: Holger G. aus Niedersachsen

Soll den Zwickauer Tätern geholfen haben: Holger G. aus Niedersachsen

Nicht nur in Niedersachsen, auch in Thüringen wird der Ton nach den Pannen der Ermittler schärfer. Innenminister Jörg Geibert (CDU) moniert, schon bei den Wohnungsdurchsuchungen bei dem Trio 1998 wegen Sprengstoffdelikten sei einiges schiefgelaufen. Es sei "unerklärlich, warum die Staatsanwaltschaft Gera nicht vorher einen Haftbefehl ausstellte", sagte der CDU-Politiker der "Thüringer Allgemeinen".

Rückendeckung bekam der Thüringer Verfassungsschutz vom amtierenden Generalbundesanwalt Rainer Griesbaum. Es gebe bisher keine Hinweise für eine Zusammenarbeit der beiden inhaftierten Verdächtigen Beate Zschäpe und Holger G. mit dem Nachrichtendienst, sagte Griesbaum der "Badischen Neuesten Nachrichten".

Viele brisante Fragen blieben - und es kamen weitere dazu. Nun will die Bundesregierung auf einem Krisengipfel mit Ministerien und Sicherheitsbehörden Konsequenzen aus dem Fall ziehen. Auf dem Treffen morgen soll über bessere Zusammenarbeit der Geheimdienste beraten werden.

Auch in Altona treffen sie sich wieder, Kazim Abaci und die anderen. Am Sonnabend wollen sie in einem Protestmarsch vom Bahnhof bis zum Tatort in der Schützenstraße ziehen. Behcet Algan wird mitmarschieren. Kurz vor dem Mord saß Süleyman Tasköprü noch bei ihm im Friseursalon, zum Haareschneiden. "Hallo, Bruder Behcet", habe er gesagt. Er trank noch einen Tee mit ihm.

 

http://www.abendblatt.de/politik/deutschland/article2096254/Unternehmer-Sind-die-Behoerden-auf-dem-rechten-Auge-blind.html

Download: deutschland.docx

Rechtsterroristischer Mord in Hamburg (taz.de)

16.11.11 taz.de

Rechtsterroristischer Mord in Hamburg

Alles offenlegen

Die "Unternehmer ohne Grenzen" fordern Aufklärung über die Verbindungen von Geheimdiensten und Neonazis. Die Polizei weist den Vorwurf einseitiger Ermittlungen zurück. von Kai Von Appen

Fordern Aufklärung: Mitglieder der Türkischen Gemeinde in Hamburg Kazim Abaci (l-r), Behcet Algan und Hüseyin Yilmaz. Bild: dpa

HAMBURG taz | Das kleine Bistro "Kühne Lage" in der Schützenstraße in Hamburg-Bahrenfeld ist am Mittwochmorgen völlig überfüllt. Journalisten aus ganz Deutschland und der Türkei, aber auch Vertreter antirassistischer Initiativen sind zur Pressekonferenz des Vereins "Unternehmer ohne Grenzen" angereist.

Eigentlich sollte der Bruder von Süleyman Tasköprü kommen, der nur drei Häuser weiter am 27. Juni 2001 in dem Gemüseladen der Familie durch drei Kopfschüsse hingerichtet worden ist. Der 31-Jährige war das dritte Opfer, das später in die bundesweite Liste der sogenannten Döner-Morde aufgenommen wird. "Süleyma Tasköprü steht unter Schock, der Arzt hat ihm dringend abgeraten, zu kommen", sagt der Vereinsvorsitzender Kazim Abaci.

Abaci ist mit Schuldzuweisungen vorsichtig: "Haben die Sicherheitsbehörden versagt?", fragt der türkische Geschäftsmann. Auffällig sei, dass die Mordopfer alles Gewerbetreibende gewesen seien. Die wirtschaftlichen Aktivitäten von Einwanderern seien immer schon "Zielscheibe rassistischer und neonazistischer Kräfte gewesen".

Eines steht für den 46-Jährigen Unternehmer fest: "Neonazis haben in den Sicherheitskräften Verbündete gehabt." Abaci spielt damit auf die Spekulationen an, dass der Verfassungsschutz die Gruppe über einen V-Mann mit aufgebaut haben soll. "Wir wollen Aufklärung darüber, in welchem Ausmaß Neonazis in den Geheimdiensten Unterstützer hatten", fordert Abaci.

Auch Hüseyin Yilmaz, Vorsitzender der Türkischen Gemeinde in Hamburg, ist entsetzt. Vor 25 Jahre sei Ramazan Avci auf offener Straße von Skinheads erschlagen worden, nun sei klar, "dass sogar der Staat daran beteiligt ist", Menschen "zu ermorden, weil sie Geschäftsleute sind." Yilmaz fordert, "dass alles gelüftet wird, was bisher nicht offen dargelegt wurde".

Der Friseur Behcet Algan aus Hamburg-Ottensen, der Süleyman Tasköprü schon als Kind kannte, wirft den Ermittlern vor, nur "mit einem Auge gearbeitet zu haben". Schon allein der Begriff "Döner-Morde" löse Assoziationen aus, die mit dem Drogenmilieu und der Mafia verbunden sind.

Die Polizei weist einseitige Ermittlungen im Fall Süleyman Tasköprü zurück: "Wir hatten keine Spuren und keinerlei Hinweise auf Täter und Motiv", sagt Polizeisprecher Mirko Streiber, der damals bei der Mordkommission in den Ermittlungen tätig war. Tasköprü war von seinem Vater blutüberströmt im Laden Schützenstraße 39 gefunden worden. "Augenzeugen gab es aber nicht", erinnert sich Streiber.

Der Staatsschutz sei routinemäßig eingebunden worden, aber auch diese Abteilung habe keine Indizien für eine politische oder ausländerfeindlich motivierte Tat gefunden. Relativ schnell sei jedoch ein Zusammenhang zu einer "Ceska 83, Kaliber 7,65 Millimeter" erkannt worden, womit in Nürnberg zwei türkische Geschäftsinhaber erschossen worden waren. "Wir hatten am Tatort zwar keine Patronenhülsen gefunden", sagt Streiber, da der Mörder die Tatwaffe mit Schalldämpfer vermutlich in eine Plastiktüte gestülpt habe. Jedoch habe aufgrund der Spuren am Geschoss ein Zusammenhang hergestellt werden können.

Die Ermittlungen hat dann in Hamburg federführend die "Soko 061" des Dezernat Organisierte Kriminalität übernommen. Es seien sogar "operative Fallanalysen" und Täterprofile erstellt worden, berichtet Streiber. Bis Juni 2006 seien 270 Spuren verfolgt, 330 Zeugen vernommen und fast 2.000 Menschen überprüft worden, bis die Federführung an die Nürnberger Sonderkommission "Bosporus" abgegeben wurde, die einen türkischen Killer in Betracht gezogen habe.

http://taz.de/Rechtsterroristischer-Mord-in-Hamburg/!82036/

 

Download: rechtsterroristischer-mord-in-hamburg.docx

Pressekonferenz zur Neo-Nazi Mordserie

 

EINLADUNG AN DIE PRESSE                                         Hamburg, 14. November 2011

 

Hamburger Unternehmer geschockt über Abgrund rechtsextremen Terrors

Haben die Sicherheitsbehörden bei den Ermittlungen in der rechtsextremistischen Szene versagt?

 

Unternehmer ohne Grenzen e.V. lädt Sie ein zur Pressekonferenz am 16. November 2011,

von 11 – 12 Uhr, Schützenstraße 45, 22761 Hamburg, vor dem Laden des Opfers S.Tasköprü

 

Nach den neuesten Erkenntnissen zur Neo-Nazi Mordserie, der im Juni  2001 auch der Hamburger  Obsthändler Süleyman Taskörpü zum Opfer fiel,  tauchen viele Fragen zum Vorgehen bei den Ermittlungen zu diesen Morden auf.

Sind die Sicherheitsbehörden und die Justiz auf dem rechten Auge blind?

Haben wir mit einem europaweiten rechtsextremen Terror zu tun?

Wie gründlich haben die Sicherheitsbehörden in der rechten Szene ermittelt?

Werden Neo-Nazis in Hamburg durch lasche Behandlungen unterstützt?

Wie geht man in Deutschland und insbesondere in Hamburg präventiv mit  rechtextremistischen Gruppierungen um?

 

Anwesend sind:

Kazim Abaci, Geschäftsführer Unternehmer ohne Grenzen e.V.

Behcet Algan, Unternehmer aus Altona

weitere migrantische Unternehmer

Hüseyin Yilmaz, Vorsitzender der Türkischen Gemeinde Hamburg

Vertreter der Griechischen Gemeinde Hamburg

Osman Tasköprü, Bruder des Hamburger Opfers

 

Unternehmer ohne Grenzen e.V. wurde im Jahr 2000 von Unternehmerinnen und Unternehmern unterschiedlicher Nationalitäten und Branchen als Plattform zum gegenseitigen Austausch gegründet und führt erfolgreich Projekte in den Bereichen
Existenzgründung und Betriebssicherung sowie Qualifizierung und Bildung durch.

 

Pressekontakt: Unternehmer ohne Grenzen e.V.

Herr Kazim Abaci

Tel.: 040/ 43 18 30 63,

Mobile: 0172-4018099

E-Mail: k.abaci@uog-ev.de, www.unternehmer-ohne-grenzen.de

Download: 2011-11-16-pressekonferenz-neo-nazi-mordserie.docx

Sind die Ermittlungsbehörden auf dem rechten Auge blind?

Sind die Ermittlungsbehörden auf dem rechten Auge blind?

Zwischen 2000 und 2006 wurden von einer terroristischen Nazizelle ein griechischer
und acht türkische Gewerbetreibende gezielt ermordet. Dazu kommt noch der Mord
an einer Polizeibeamtin. Ein ganzes Jahrzehnt konnten sich deren Mitglieder frei bewegen und ihre Morde planen.
Es ist ein Skandal, dass es den Ermittlungsbehörden in dieser Zeitspanne nicht gelungen ist, die Täter zu ermitteln, obwohl die rechte Szene doch von Verfassungsschutz und LKA beobachtet wird. Oder geschieht dies vielerorts nur halbherzig? In diesem Sinne äußert sich auch der Rechtsterrorismus-Experte Bernd Wagner in einem Interview mit der Nachrichtenagentur dapd:

»Wir haben immer darauf aufmerksam gemacht, dass sich aus der Szene heraus
Gruppierungen entwickeln, die sehr militant sind und möglicherweise den Übergang
zum Terrorismus vollziehen«. Schon in den neunziger Jahren habe es mehrere entsprechende Hinweise gegeben. »Sie wurden aber von den Sicherheitsbehörden mit spitzen Fingern angefasst«, fügte Wagner hinzu.
Die Türkische Gemeinde ist äußerst besorgt überdiese Entwicklung. Wir hoffen, dass die Ämter jetzt nicht zur Tagesordnung übergehen, sondern verstärkt Anstrengungen unternommen werden, den Rechtsterrorismus gezielt zu bekämpfen.

Hüseyin Yılmaz
(Vorsitzender)

Türkische Gemeinde in Hamburg
und Umgebung e.V.
Hamburg ve Çevresi Türk Toplumu
Mitglied in der Türkischen Gemeinde in Deutschland
und im Paritätischen Wohlfahrtsverband

Download: pm_11-11-14_doenermorde.pdf

50 Jahre deutsch-türkisches Anwerbeabkommen

Bundesministerium für Inneres
veröffentlicht am 02.11.2011


50. Jahrestag deutsch-türkisches Anwerbeabkommen

 

Bundesregierung würdigt Leistung der "Gastarbeiter" mit einem Festakt. Gast ist der türkische Ministerpräsident Erdogan.

Was vor 50 Jahren als vorübergehender Aufenthalt gedacht war, hat sich für viele als dauerhafte Lösung ergeben: Am 30. Oktober 1961 unterzeichneten Deutschland und die Türkei ein Anwerbeabkommen über die Vermittlung von Arbeitskräften in die Bundesrepublik. Die meisten so genannten "Gastarbeiter" blieben und holten ihre Familien nach. Heute leben mehr als 2,5 Millionen Menschen mit türkischen Wurzeln in Deutschland. Mit einem Festakt im Weltsaal des Auswärtigen Amts in Berlin würdigte die Bundesregierung die Frauen und Männer, die den Aufschwung im Wirtschafswunderland Deutschland mit ihrer Arbeitskraft unterstützt haben.

+ Dr. Friedrich begrüßte die Gäste Quelle: BMI/Hans-Joachim M. Rickel

In seinen Begrüßungsworten lobte Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich den Mut der ersten "Gastarbeiter": "Deutschland war Ihnen fremd, Sie sind ein Wagnis eingegangen. Wer seine Heimat freiwillig verlässt, hat viele Gründe, allen voran die existentielle und wirtschaftliche Not", so Friedrich vor rund 400 Gästen, darunter auch Zugewanderte der ersten Stunde. Auch die Türkei habe von dem Abkommen wirtschaftlich profitiert. Im Zeitraum von 1961 bis zum Anwerberstopp 1973 sind knapp eine Million Türken nach Deutschland gekommen. Heute hätten die meisten Türkischstämmigen ihren festen Platz in der Gesellschaft gefunden - und das in allen Bereichen.

Zu dem Festakt waren auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan gekommen. "Wir sind zusammen", betonte Erdogan in deutscher Sprache. Deutschland sei für die Türken keine fremde Heimat mehr. "Über jedes Tor, das Mesut Özil schießt, freuen wir uns in der Türkei genauso wie in Deutschland", so der Ministerpräsident. Erdogan verwies zudem auf die weitreichende historische Verbundenheit zwischen Deutschen und Türken. Das Abkommen von 1961 sei ein Resultat der bereits geknüpften partnerschaftlichen Bande gewesen. Mit Blick auf die heutige Situation in Deutschland sagte Erdogan: "Wir unterstützen die Integration bedingunglos". Die Gesellschaft, die aufnimmt und integriert, müsse aber auch Angebote machen.

+ Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel Quelle: BMI/Hans-Joachim M. Rickel

Die Bundeskanzlerin betonte den Einfluss der türkischstämmigen Gemeinschaft auf unsere Gesellschaft: "Die Gastarbeiter, ihre Familien und Nachkommen haben Deutschland mit geprägt". Es hätte allerdings Jahre gebraucht bis in Deutschland die Einsicht gereift sei, dass es sich bei den Arbeitskräften nicht um vorübergehende Gäste gehandelt habe, sondern um Menschen, die geblieben und Teil der Gesellschaft geworden sind. Merkel bekräftigte die Anstrengungen, die die Bundesregierung im Bereich der Integration unternommen habe. Das Erlernen der deutschen Sprache bleibe Schlüsselaufgabe. Bei den vielen Beispielen gelungener Integration dürften nicht die Augen vor Missständen, v.a. im Bildungsbereich, verschlossen werden. "Zusammenleben ist immer ein Geben und Nehmen. Integration ist Gemeinschaftsleistung", so Merkel. Mit Blick auf die Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland sagte sie: "Ich bin auch Ihre Bundeskanzerlin. Diese Bundesregierung ist auch Ihre Bundesregierung".

+ Podiumsdiskussion Quelle: BMI/Hans-Joachim M. Rickel

In der anschließenden Podiumsdiskussion, die von dem Journalisten Giovanni di Lorenzo moderiert wurde, tauschten sich Merkel und Erdogan mit Vertretern der türkischstämmigen Gemeinschaft über die Frage aus, wie Zuwanderung unsere Gesellschaft verändert. Mit dabei waren u.a. die Schwestern Nesrin und Yasemin Samdereli, auf die die Komödie "Almanya - Willkommen in Deutschland" zurückgeht, sowie die Journalistin Hatice Akyün und der Leiter des Netzwerks "Daimler Türk Treff" Nejdet Niflioglu. Die Podiumsteilnehmer diskutierten über einen bunten Strauß an Themen - von der doppelten Staatsbürgerschaft über Sport als Integrationsmotor und der Religion als verbindendes oder trennendes Element bis hin zum humorvollen Umgang mit Vorurteilen.

13. Einbürgerungsfeier im Hamburger Rathaus

13. Einbürgerungsfeier im Hamburger Rathaus

Auf der dreizehnten Einbürgerungsfeier hat Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz die neuen Bürgerinnen und Bürger der Hansestadt mit ihren Familien im Festsaal des Hamburger Rathauses begrüßt. Stellvertretend für alle 1396 Personen, die vom 1. Mai bis zum 31. Juli 2011 in Hamburg die deutsche Staatsangehörigkeit erhalten haben, überreichte Bürgermeister Scholz die Einbürgerungsurkunden in einem feierlichen Akt an neun Neubürgerinnen und Neubürger. Über 500 Neubürgerinnen und Neubürger sind der Einladung des Senats gefolgt und mit ihren Familien ins Rathaus gekommen, um gemeinsam mit der Bürgerschaftspräsidentin Carola Veit und weiteren Vertretern des Senats, der Hamburgischen Bürgerschaft, der Bezirke, und der Hamburger Verwaltung diesen erinnerungsreichen Tag zu feiern.

Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz begrüßte die die neuen deutschen Staatsangehörigen in seiner Rede und betonte: „Hamburgerinnen und Hamburger sind die meisten von Ihnen schon länger, Deutsche sind Sie jetzt mit Ihrer Einbürgerung geworden. Wer hier lebt, wer sich auf Deutschland einlassen will und wer sich zu Deutschland bekennt, der sollte auch alle Rechte und Pflichten haben, um an unserem öffentlichen Leben teilzunehmen und sich in unsere Gesellschaft einzubringen. Nur so können wir voneinander lernen und nur so kann Hamburg auch in Zukunft die weltoffene, vielfältige Metropole bleiben, die sie ist.“ 

 

Im Anschluss sprach die türkisch-stämmige Meryem D. Çelikkol zu den Gästen, die seit April 2010 als Projektleiterin des Einbürgerungsprojektes „Ich bin Hamburger!“ arbeitet und in ihrer Festrede von ihren Erfahrungen berichtete: „Mit welcher Nationalität man geboren wird, kann man nicht beeinflussen, aber für eine Einbürgerung in das Land in dem man lebt, kann man sich bewusst entscheiden. Ich wünsche mir, dass sich auch in Zukunft viele für die deutsche Staatsangehörigkeit entscheiden. Mit unserem Projekt und den 73 ehrenamtlichen Einbürgerungslotsinnen und -lotsen können wir weiter dazu beitragen, individuelle Ängste und verwaltungstechnische Hürden abzubauen und jeden einzelnen auf seinem ganz persönlichen Weg zu begleiten.“

Für den musikalischen Rahmen sorgte der  Chorleiter Peter Schuldt vom Projekt „Young ClassX“ Der Unterstufenchor der Stadtteilschule Harburg sang u.a. die Hamburg Hymne „Hammonia“ und unterstützte am Ende der Feier alle Gäste beim gemeinsamen Singen der Deutschen Nationalhymne.

Auf Einladung des Senats finden seit Herbst 2006 in regelmäßigen Abständen Einbürgerungsfeiern statt, um die Entscheidung für die deutsche Staatsangehörigkeit in einem festlichen Rahmen zu würdigen. Die nächste Einbürgerungsfeier findet voraussichtlich im Februar 2012 statt.

 

Mehr Informationen finden Sie unter: www.hamburg.de/eza und www.einbuergerung.hamburg.de

 

 

Download: 13.-pm-eb-feier.pdf

Endlich angekommen in Deutschland

Die Welt|

Gastkommentar

Drucken Bewerten   Autor: Hüseyin Yilmaz| 24.10.2011

Endlich angekommen in Deutschland

50 Jahre nach Beginn der Einwanderung sehen sich viele Türken als Hamburger

Zurzeit sind die Aktivitäten zur Erinnerung an den Beginn der türkischen Einwanderung vor 50 Jahren voll entbrannt. Man könnte sagen: Wir feiern goldene Hochzeit. Wie begann ganze Geschichte? Am 30. Oktober 1961 wurde das Anwerbeabkommen zwischen der Türkei und Deutschland geschlossen. Die Türkei war bis zu diesem Zeitpunkt kein Auswanderungsland. Dementsprechend hatte sie keine Erfahrung, was ihre ins Ausland entsendeten Bürger erwartete. Das Anwerbeabkommen sah auch keine langfristige Verweildauer der Arbeitnehmer in Deutschland vor. Sie hatten bei der Einreise einen Arbeitsplatz und Unterkunft, die sprachlichen Barrieren wurden besonders in den Großbetrieben durch Dolmetscher überwunden. Der Gedanke, ein bis zwei Jahre hier zu arbeiten und anschließend in die Türkei zurückzukehren, verfestigte sich sehr in den Köpfen der türkischen Bevölkerung. So wurden die Ersparnisse mehr in der Türkei investiert, ein Großteil davon stellte sich später als Fehlinvestitionen heraus.

In Deutschland blieb jahrzehntelang die Migrationspolitik ein Provisorium, der gesellschaftlichen Entwicklung wurde kaum Rechnung getragen. Die wirtschaftliche Situation in Deutschland bestimmte auch das Bleiberecht der Türken. Vielen Einwanderern hingegen, bei denen zuerst die Arbeit und die finanzielle Absicherung im Vordergrund standen, ging es zunehmend um Teilhabe am gesellschaftlichen Leben in Deutschland. Dazu zählten Bildung, Ausbildung, Kultur und die Suche nach der politischen Heimat. 1986 wurde der Verein "Bündnis Türkischer Einwanderer" in Hamburg gegründet, der sich 2004 in "Die Türkische Gemeinde Hamburg und Umgebung e.V" umbenannte. In dem Verein haben sich 20 Vereine, Moscheen, Organisationen und Initiativen zusammengeschlossen, die zwei zentrale Ziele eint: die rechtliche, politische und soziale Gleichstellung und Gleichbehandlung der einwanderten Bevölkerung und das Eintreten gegen Ausländerfeindlichkeit, Rassismus und Antisemitismus. Daraus folgen für uns Forderungen nach dem kommunalen Wahlrecht für Nichtdeutsche, der erleichterten Einbürgerung ohne erzwungene Aufgabe der bisherigen Staatsbürgerschaft sowie besseren Bildungschancen an Schulen und Hochschulen.

In der Vergangenheit hat sowohl die Weigerung Deutschlands, ein Einwanderungsland sein zu wollen, als auch das Festhalten der ersten türkischen Einwanderergeneration an einer geplanten Rückkehr verhindert, dass die Integration rechtzeitig gestaltet wurde. Wenn wir heute darauf schauen, was aus der ersten Generation der türkischen Gastarbeiter geworden ist, stellen wir fest, dass die meisten von ihnen Rentner sind und zwischen der Türkei und Deutschland pendeln. Wenn sie in der Türkei sind, bekommen sie Heimweh nach Deutschland und umgekehrt. Die zweite, dritte und vierte Generation hingegen bilden einen Teil der Bevölkerung in Deutschland. Sie sind Künstler, Sportler, Unternehmer, Arbeitnehmer, Arbeitslose und Schüler - und zwar Männer und Frauen. Sie beherrschen das Straßenbild besonders in den Großstädten. Kulturelle Vielfalt wird zunehmend als Bereicherung akzeptiert. Wir können alle zur Gestaltung des Landes beitragen.

Die ersten "Gastarbeiter" haben mit wenig Rechten und vielen Pflichten in Deutschland gelebt. Ihre Einsätze kommen der jetzigen Generation zugute, die zunehmend in den Parteien, Institutionen und in den Unternehmen Führungspositionen bekleiden.

Trotz dieser Fortschritte können wir uns nicht zufrieden geben. Gemeinsam müssen wir uns dafür einsetzen, dass die Willkommenskultur, Partizipationskultur und eine Empathiekultur weiterentwickelt werden, und gegen Ausgrenzung und Diskriminierung vorgehen. Migranten-Organisationen sollten stärker an den politischen Entscheidungen beteiligt werden. Der Blick zurück enthält viel Wehmut, der Blick nach vorn Hoffnung.

http://www.welt.de/print/die_welt/hamburg/article13677428/Endlich-angekommen-in-Deutschland.html

TGH kündigt eigene Umweltprojekte an

Umwelthauptstadt mit neuem Partner  

Türkische Gemeinde Hamburg kündigt eigene Umweltprojekte an

Als Fortsetzung der inzwischen etablierten Umwelthauptstadt-Dialoge haben sich heute Nachmittag zum ersten Mal offiziell Vertreter der Türkischen Gemeinde in Hamburg und Umgebung e.V. (TGH) mit Vertretern der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt, der Umwelthauptstadt, der Klimaforschung, von Umweltverbänden und von öffentlichen Unternehmen getroffen.

Umweltsenatorin Jutta Blankau: „Türkische  Mitbürgerinnen und Mitbürger legen in besonderem Maß Wert auf Gemeinschaft - und sie machen den größten Teil der Einwanderer in Hamburg aus. Deshalb sind sie prädestiniert, uns beim Umweltschutz für die Stadt zu unterstützen. Ich sehe hier großes Potenzial und hoffe, dass die heutige Veranstaltung nur ein Auftakt war. Energiewende, Klimaschutz und mehr soziale Gerechtigkeit im Umweltschutz sind ohne diese große Bevölkerungsgruppe schlicht nicht zu schaffen. Deshalb brauchen wir sie unbedingt und freuen uns auf Mithilfe.“

Die Bedeutung des Treffens machte die türkische Seite durch Beisein von Generalkonsul Devrim Öztürk deutlich. Genauso wie Hüseyin Yilmaz, Vorsitzender der TGH, gratulierte Generalkonsul Ötztürk der Stadt ausdrücklich zum Titel „Umwelthauptstadt Europas 2011“. Hüseyin Yilmaz betonte außerdem den Willen der türkischen Gemeinde, sich künftig noch deutlicher an Bemühungen um mehr Umwelt- und Klimaschutz in Hamburg zu beteiligen. Er kündigte das Projekt „Umweltberater/Umweltbotschafter“ für das nächste Jahr an: Dann sollen türkische Energieexperten in türkischstämmigen Familien für mehr Energieeffizienz und individuellen Klimaschutz werben.

Als Symbol der Verwurzelung der TGH in Hamburg und als Beispiel für die Unterstützung des Titels „Europäische Umwelthauptstadt 2011“ überreichte Hüseyin Yilmaz Umweltsenatorin Blankau die Spenden-urkunde für einen Baum im Rahmen der Umwelthauptstadt-Aktion „Mein Baum - meine Stadt.“ Im Rahmen der großen Pflanzaktion im Oktober hat die TGH Spenden für die Pflanzung eines Spitzahorns in Billstedt gesammelt.

Kontakt: Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt, Volker Dumann, T: (040)428.40-32 49, Volker.Dumann @bsu.hamburg.de.

Download: 110918_pm-uhs-und-tgh.docx

TGH und "Nachbarschaft verbindet" in der H3 (Handelsschule Schlankreye)

Fußballturnier im Rahmen der Aktionstage „Nachbarschaft verbindet!“
an der Handelsschule Schlankreye.

- Betriebsräte (mit Migrationshintergrund) großer Hamburger Unternehmen
spielen gegen Schülermannschaften der Oberstufe der Berufsfachschule -

Angeregt und unterstützt wurde die Veranstaltung von „Arbeit und Leben
Hamburg e.V.“ und der „Türkischen Gemeinde Hamburg e.V.“

Nach der Begrüßung durch Frau Elvias Kantarevic (Arbeit und Leben) und Herrn
Yilmaz (Türkische Gemeinde) wurde in spannenden Spielen „Jeder gegen Jeden“
das Turnier ausgetragen.

Im Endspiel standen sich die Mannschaften der Betriebsräte und der H01
gegenüber, wobei die Mannschaft der H01 gewann, deren Spieler als Preis
Kinogutscheine erhielten.

Anschließend traf man sich bei einem kleinen Imbiss und tauschte Erfahrungen
und Gedanken aus. Die Veranstaltung hat allen Beteiligten großen Spaß bereitet.

Download: fussballturnier-der-handelsschule-mit-betriebsraeten-mit-mig-.pdf

12. Einbürgerungsfeier im Hamburger Rathaus

12. Einbürgerungsfeier im Hamburger Rathaus

19.08.2011, 16:00 Uhr

Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz hat heute auf der zwölften Einbürgerungsfeier im Hamburger Rathaus fünf neuen deutschen Staatsbürgerinnen und Staatsbürgern ihre Einbürgerungsurkunden überreicht. Die Urkundenträger stammen ursprünglich aus Mexiko, Brasilien, Großbritannien, Marokko und China. Stellvertretend für alle 1469 Personen, die in der Zeit vom 1. Februar bis zum 30. April 2011 in der Freien und Hansestadt eingebürgert worden sind, hat dieser Kreis die Einbürgerungsurkunde erst heute bei einem festlichen Akt im Hamburger Rathaus erhalten.

Rund 550 Neubürgerinnen und Neubürger sind der Einladung des Senates gefolgt und mit ihren Familien ins Rathaus gekommen, um gemeinsam mit Vertretern des Senats, der Hamburgischen Bürgerschaft, der Bezirke und der Hamburger Verwaltung diesen erinnerungsreichen Tag zu feiern.

Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz begrüßte die neuen Hamburgerinnen und Hamburger in seiner Rede und betonte: „Ich freue mich sehr, dass es einen „Trend“ zur deutschen Staatsangehörigkeit gibt, der deutlich zugenommen hat. Im vorigen Jahr 2010 haben in Hamburg wieder 5.300 Menschen die deutsche Staatsangehörigkeit erworben. Es wäre schön, wenn sich noch viel mehr Mitbürgerinnen und Mitbürger entschließen könnten, die deutsche Staatsangehörigkeit anzunehmen“.

 

Als Festrednerin konnte Jardena Kifle gewonnen werden. Die gebürtige Eritreerin kam 1982 im Alter von vier Jahren nach Deutschland und wurde 1997 eingebürgert. Seit Oktober 2010 unterstützt sie im Rahmen der neuen Einbürgerungskampagne „Hamburg. Mein Hafen. Deutschland. Mein Zuhause“ als Einbürgerungs-Lotsin einbürgerungsinteressierte Mitbürgerinnen und Mitbürger in Hamburg. Sie erklärte ihr Engagement in ihrer Rede wie folgt: „Es ist für mich eine Selbstverständlichkeit meinen Mitmenschen, egal ob fremd oder bekannt, wenn es mir möglich ist zu helfen. Wie gerne hätte ich während meiner eigenen Antragsstellung diese Hilfe erfahren, von einer Person, der man sich anvertrauen kann und die einem die Sorgen und Ängste bei der Einbürgerung nimmt. Aufgrund meines Ehrenamtes lerne ich nicht nur viele spannende Seiten von meiner Wahlheimat Hamburg kennen, sondern auch viele neue Menschen, die ich begleiten darf und die mittlerweile zu Freunden geworden sind.“

Musikalisch begleitet der Chorleiter Peter Schuldt die Einbürgerungsfeier mit dem The Young ClassX Unterstufenchor der Stadtteilschule Süderelbe und Fischbek-Falkenberg. Gesungen wurden „Baum des Lebens“, die Hamburg Hymne „Hammonia“ und abschließend mit allen Gästen die Deutsche Nationalhymne.

Auf Einladung des Senats finden seit Herbst 2006 in regelmäßigen Abständen Einbürgerungsfeiern statt, um die Integration der neuen deutschen Staatsangehörigen in einem festlichen Rahmen zu würdigen. Die nächste Feier wird voraussichtlich am 25. Oktober 2011 stattfinden.

http://www.hamburg.de/pressearchiv-fhh/3026738/2011-08-19-sk-einbuergerungsfeier.html

Mehr Informationen finden Sie unter: www.hamburg.de/eza und www.einbuergerung.hamburg.de.

"Gesundheit ist grenzenlos - Rauchfrei zu Ramadan"-Kampagne

Presseerklärung

Rauchstopp mit der “Gesundheit ist grenzenlos - Rauchfrei zu Ramadan”-Kampagne


Mit der Kampagne unter dem Motto “Rauchfrei zu Ramadan” wird beabsichtigt, die in Deutschland lebenden Migranten mit Hilfe der professionellen Unterstützung eines Arztes vom Rauchen zu befreien. Während unter den Deutschen nur 29,9 Prozent rauchen, liegt diese Rate bei den türkischstämmigen Migranten der zweiten Generation bei 37,6 Prozent. Experten weisen an dieser Stelle auf die höhere Raucherquote unter den Migranten hin und erweitern in diesem Jahr die Kampagne, die unter dem Motto “Rauchfrei zu Ramadan” geführt wird, um mehr Menschen zu erreichen. Gesundheitsunternehmen Pfizer erzielt gemäß dem Leitgedanke “Gesundheit ist grenzenlos” gemeinsam mit Vertretern aus Medizin,
Kultur, Politik und Wirtschaft in vielen Städten einen Beitrag zu leisten, wie man die Gesundheit vor Ort nachhaltig verbessern kann.
In Hamburg beabsichtigen die TGH und Pfizer im Rahmen der Kampagne anhand von Plakate und Informationsbroschüren, die in den Arztpraxen und Apotheken zu finden sind, die Nachteile des Rauchens zu verdeutlichen und die Raucher auf die professionelle ärztliche Unterstützung hinweisen; und somit zum Rauchstopp motivieren. Suchen Sie die Unterstützung Ihres Arztes
Der Hamburger Internist und Allgemeinmediziner Dr. Süleyman Keser weist nach denvorliegenden Studien darauf hin, dass während die Anzahl der Raucher unter den Deutschen bei rund 29,9 Prozent liegt, dieser Prozentsatz in der zweiten Generation der türkischstämmigen Migranten 37,6 Prozent beträgt. Dr. Süleyman Keser fügt zu, dass der Fastenmonat Ramadan eine optimale Zeit ist, um in ein rauchfreies Leben zu starten. Der Raucher muss selber die Entscheidung für den Rauchstopp treffen und auch Glauben daran haben. Die Erfolgsquote bei jenen, die ohne Hilfe versuchen sich das Rauchen abzugewöhnen, liegt nur bei 3 bis 5 Prozent. Wer sich das Rauchen abgewöhnen möchte, sollte sich professionelle Unterstützung vom Arzt holen, denn nur dann steigt auch die Erfolgschance. Dies wird auch von bisher durchgeführten Forschungen bestätigt. Migranten, die vor Ramadan-Beginn aufhören wollen zu rauchen, sollten einen Arzt um Hilfe zu bitten. Das ist der wichtigste Schritt, um sich selber und die Passive-Raucher in ihrem Umfeld ein neues rauchfreies Leben zu schaffen.”

Unter der Internet-Adresse www.arztdatei.de können die Kontaktdaten von spezialisierten Ärzten eingesehen werden.

Bei Fragen zur Kampagne und Durchführung können Sie sich an Dr. Süleyman Keser wenden.

Mit den besten Wünschen für ein rauchfreies Leben
Hüseyin Yılmaz                                      Dr. med. Süleyman Keser
TGH Başkanı                                          TGH Yönetim Kurulu üyesi
Vorstandsvorsitzender                             TGH Vorstandsmitglied

Download: tgh-2011-08-19-basin-aciklamasi---dumansız-ramazan-kampanyası-ile-sigaraya-son.pdf

Mehr Einbürgerungen in Hamburger in 2011

  • 19.06.2011 TAZ

Mehr Einbürgerungen

Hamburg wird deutscher

Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der Einbürgerungen um 40 Prozent - dank einer Kampagne, 58 "Einbürgerungslotsen" und mehr Behördenmitarbeitern.

"… Recht und Fra-hei-heit!": Ex-Bürgermeister von Beust dirigiert eine Einbürgerungsfeier im Rathaus. Foto: dpa

5.300 Ausländer haben im vergangenen Jahr von der Einbürgerungsbehörde einen deutschen Pass ausgehändigt bekommen - das entspricht einem Zuwachs von 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Hamburg ist damit das Bundesland mit dem höchsten Anstieg an Einbürgerungen. Grund dafür ist die Kampagne: "Hamburg. Mein Hafen. Deutschland. Mein Zuhause", die im vergangenen November startete. Auf Plakaten und Flyern werben unter anderen die Boxerin Susianna Kentikian und Fußballprofi Piotr Trochowski dafür, die deutsche Staatsbürgerschaft anzunehmen.

Der starke Anstieg an Einbürgerungen ist deshalb interessant, weil die Kurve in den vergangenen zehn Jahren kontinuierlich nach unten zeigte. Meryem Celikkol von der Türkischen Gemeinde Hamburg kann sich diesen Umstand gut erklären.

Sie ist von der Senatsbehörde mit der Leitung der Einbürgerungskampagne beauftragt worden und war überrascht, wie groß die Angst der Ausländer vor den Behörden war. "Es besteht wirklich großes Interesse an Beratung", sagt sie. "Doch die Gerüchte über ein kompliziertes Einbürgerungsverfahren verhinderten bisher in vielen Fällen den Gang zum Amt."

Jetzt sorgen 58 sogenannte Einbürgerungslotsen dafür, diese potenziellen deutschen Bürger zu beraten, mit ihnen die Anträge auszufüllen, sie auf den Sprachtest vorzubereiten oder Unterlagen zusammenzusuchen. Die Lotsen arbeiten ehrenamtlich und stammen aus verschiedenen Kulturkreisen. Sie gehen in Schulen oder Gemeinden, um möglichst viele Menschen zu erreichen.

Vor allem die Togoer hätten vorsichtig und skeptisch reagiert, berichtet Celikkol. Denn um in Deutschland eingebürgert zu werden, müssen sie sich wie alle Nicht-EU-Bürger in ihrem Herkunftsland zunächst ausbürgern lassen.

Das Konsulat hatte den Togoern in Hamburg aber mitgeteilt, sie müssten für diesen Schritt extra nach Togo reisen - was sich die meisten von ihnen nicht leisten können. Iran, Syrien und Ägypten bürgern dagegen gar nicht aus. In all diesen Fällen wird den Menschen trotzdem die deutsche Staatsbürgerschaft zugesprochen und die doppelte Staatsangehörigkeit toleriert.

Um den deutschen Pass zu erhalten, muss man gewisse Voraussetzungen erfüllen. Laut Einbürgerungsbehörde muss der Antragsteller in der Regel acht Jahre in Deutschland leben, 255 Euro Gebühr zahlen und einen Einbürgerungs- und Sprachtest bestehen. Er oder sie muss außerdem ein Mindesteinkommen in Höhe von 364 Euro plus Mietkosten nachweisen.

Laut Behördensprecher Christian Martens wurden im vergangenen Jahr zudem fünf neue Mitarbeiter eingestellt, um die Einbürgerung zu beschleunigen. "Die Akten haben sich auf den Schreibtischen gestapelt und konnten durch die neuen Arbeitskräfte tatsächlich schneller abgearbeitet werden", sagt Martens.

"Der Wunsch, in Deutschland akzeptiert zu werden, ist groß", sagt Meryem Celikkol. Ein deutscher Pass sei da schon wichtig, um sich als Bürger mit diesem Land zu identifizieren. "Für andere, vor allem junge Menschen, sind beispielsweise große Reisen ein Anlass für die Einbürgerung, oder Wahlen." Dabei muss ein gewisser Vorlauf schon eingeplant werden. Im Schnitt dauert die Einbürgerung jetzt elf Monate - immerhin vier Monate weniger als noch vor zwei Jahren.

VON EMILIA SMECHOWSKI
TAZ

http://www.taz.de/1/nord/hamburg/artikel/1/hamburg-wird-deutscher/


SPD unterstützt neuen Standort der Türkischen Gemeinde Hamburg (TGH) in Billstedt

SPD-Bezirksfraktion

Hamburg-Mitte

SPD unterstützt neuen Standort der Türkischen Gemeinde Hamburg (TGH) in Billstedt

 

Die Türkische Gemeinde Hamburg und Umgebung e. V. (TGH) wird neben ihrem bisherigen Hauptstandort in Altona nun auch einen neuen Standort in Billstedt eröffnen und damit ihr Angebot an Integrationskursen deutlich ausweiten. Unterstützt wird die TGH dabei von der SPD-Fraktion in der Bezirksversammlung Mitte. Auf Antrag der Sozialdemokraten beschloss das Bezirksparlament am Donnerstagabend, den Ausbau der neuen Räumlichkeiten in der Möllner Landstraße mit 50.000 Euro zu unterstützen.

Der Verein, der Menschen aller Nationalitäten offen steht, ist in Billstedt bereits jetzt mit zahlreichen Integrationsangeboten vertreten, nutzte dafür aber bislang Räumlichkeiten anderer Einrichtungen und war damit längst an Kapazitätsgrenzen gestoßen.

 

„Die Türkische Gemeinde Hamburg macht eine gute und wichtige Arbeit um die Integration von Migranten in Hamburg, insbesondere auch von Frauen aller Nationalitäten, zu fördern. Wir sind sehr froh darüber, dass gerade in einem Stadtteil mit hohen Migrantenanteil wie Billstedt die Menschen beim Erlernen der deutschen Sprache, aber auch bei sozio-kulturellen Anliegen von der TGH mit dem Ausbau des Angebotes verstärkt unterstützt werden können“, erklären die SPD-Bezirksabgeordneten Erkan Sahin und Fuat Yavas.

 

Für den Stadtteil sei das Projekt eine Bereicherung, sagt die Billstedter SPD-Bezirksabgeordnete und stellvertretende Fraktionsvorsitzende Kerstin Gröhn: „Die TGH wird mit ihren Angeboten mitten im Herzen des Stadtteils sitzen und insgesamt zu einer Belebung beitragen. Die Räume in der Möllner Landstraße, direkt gegenüber dem ECE, standen viel zu lange leer. Dass der Eigentümer hier jetzt durch erhebliche finanzielle Beteiligung diese Nutzung ermöglicht, ist großartig. In dem Entwicklungskonzept für den Billstedter Zentrumsbereich kann das Angebot der TGH ein wichtiger Baustein werden.“

 

Terminhinweis:

Herzliche Einladung zum gemeinsamen Fototermin am Dienstag, den 21.06.2011 um 12.30 Uhr, Bezirksamt Hamburg-Mitte, Klosterwall 8 Block D 9. Stock (Bezirksamtsleiter) zusammen mit Vertretern der Türkischen Gemeinde, der SPD-Bezirksfraktion sowie dem Bezirksamtsleiter Markus Schreiber.

 

Für Rückfragen

Erkan Sahin, 0163 – 21 21 897

Kerstin Gröhn , 0176 - 24 60 47 89

Fuat Yavas - 0176 219 86 652

 

SPD Bezirksfraktion Hamburg-Mitte

Henriette von Enckevort

Kurt-Schumacher-Allee 10

20097 Hamburg

Tel: 040 24 90 20

Fax: 040 280 18 00

www.spdfrak-hhmitte.de

buero@spdfraktion-hamburg-mitte.de

 

 

EINLADUNG zur Pressekonferenz zur altonale13

EINLADUNG zur Pressekonferenz zur altonale13

am 19.5.2011, um 18.30 Uhr im Ausbildungs-Restaurant „Zinken“, Klopstockplatz 3, 22765 Hamburg,

mit der anschließenden Möglichkeit zu vertiefenden Gesprächen, Interviews, Fotos, Essen und Trinken.

  1. Begrüßung                                               
  2. Partnernation Türkei und altonale Kulturveranstaltungen - Kulturort Altona
  3.  „altonale goes green“ - ein Zukunftsprojekt
  4. Das kreative Fest: Kunstmarkt, Flohmarkt, Mittelaltermarkt, Infomeile, Ökomeile,  Elbe Meile, Tanzboden, Altona Musiziert
  5. Start der altonale mit der Kulturnacht, Türkisch-Deutsches Theaterfestival, Kunstpreisverleihung, altonale Sommerfest - wichtige Termine    
  6. Partner, Sponsoren, Online-Versteigerung – Kultur schafft Freunde
  7. ab ca. 19.30 Uhr: Fragen und Interviews & Fotos, kulinarischer Ausklang

Für Gespräche zur Verfügung stehen u.a.:

Generalkonsul der Republik Türkei, Devrim Öztürk

Dieter Meine, Geschäftsführer altonale GmbH

Gerhard Fiedler, Künstlerischer Leiter der altonale

Katrin Weiland, Monika Baum, Julia Meyer-Grieben, Tania Lauenburg - Leiterinnen der Kultursparten

Alexander Wall, Projektleiter „altonale goes green“

Dominic Blechert, Flächenvermarktung

Katharina Regenstein, infomeile

Stefanie Thron, Tanzboden

Dieter Bensmann, Horst Hornig, Elbe Meile

Paul Pauksch, Sponsoring/Fundraising

Nicole Alpers, Bianca Wilkens, Öffentlichkeitsarbeit

 

Mit freundlichen Grüßen

Dieter Meine, Geschäftsführer altonale GmbH

Download: einladung-pk-altonale13_19-05-.doc

Senatsempfang im Rathaus: 25 Jahre Türkische Gemeinde Hamburg

4. Mai 2011/t-basfi04

Einladung/ Hinweis an die Medien

25 Jahre Türkische Gemeinde Hamburg

Integrationssenator Detlef Scheele begrüßt Mitglieder und Förderer des Vereins am Freitag bei einem Senatsempfang im Rathaus

Mit einem Empfang im Festsaal des Rathauses würdigt der Senat am Freitag das jahrzehntlange Engagement der Türkischen Gemeinde in Hamburg und Umgebung (TGH). Integrationssenator Detlef Scheele wird die etwa 350 geladenen Gäste begrüßen und den Mitgliedern der TGH im Namen des gesamten Senats für ihre Arbeit im Dienste der Integration danken. 

Vor 25 Jahren als Reaktion auf den fremdenfeindlichen Überfall auf den Türken Ramazan Avci gegründet, hat sich das „Bündnis türkischer Einwanderer“, wie die TGH damals hieß, für die Integration der Hamburger mit türkischen Wurzeln eingesetzt. Von Beginn an hat sich der Verein auf politischer, sozialer und kultureller Ebene engagiert: Er hat zu aktuellen integrationspolitischen Fragen Stellung bezogen und Vorschläge unterbreitet und ist heute als Träger zahlreicher Integrations-Projekte wichtiger Partner der Stadt.

„Dabei hat die TGH längst nicht mehr nur die Gruppe der türkischstämmigen Menschen im Auge“, so Integrationssenator Detlef Scheele, „sondern sie fühlt sich zuständig für alle Menschen, die auf ihre Hilfe angewiesen sind. Damit leistet die Gemeinde nebenbei einen wertvollen Beitrag zur interkulturellen Öffnung der Communities gegenüber Gruppen anderer kultureller Herkunft.“

 

Der Senatsempfang zum 25-Jahr-Jubiläum der Türkischen Gemeinde Hamburg findet statt am:

Freitag, 6. Mai 2011, um 18 Uhr,

im Festsaal des Hamburger Rathauses

Vertreter der Medien sind herzlich eingeladen. Bitte bringen Sie Ihre Rathausakkreditierung mit oder bestellen Sie einen Tagesausweis unter den Rufnummern 42831 -2241 oder -2244. Dieser muss rechtzeitig vor dem Termin im Rathaus an der Information abgeholt werden.

Für Rückfragen der Medien:

Pressestelle der Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration
Julia Seifert
Tel.: 42863-28 89, Fax: 42863-38 49
E-Mail: pressestelle@basfi.hamburg.de;
Internet: www.hamburg.de/basfi

 

Download: pm-25-jahre-tgh.pdf

Altonale 13 (vom 01. bis 19. Juni)

Hamburg, 19.04.2011
Pressemitteilung

Mit einem Novum geht die altonale 13 in diesem Jahr an den Start:
Zum 1. Mal veranstaltet die theater altonale ein türkisch-deutsches
Theaterfestival. Das Festival mit dem Titel Heimspiel `11 findet
während der altonale 13 (1. bis 19. Juni 2011) in Kooperation mit der
Türkischen Gemeinde Hamburg statt.

Heimspiel ’11
Das türkisch-deutsche Theaterfestival der theater altonale
Das türkisch-deutsche Leben in seinen vielfältigen Facetten steht im Mittelpunkt
des ersten binationalen Hamburger Theaterfestivals der theater altonale. So
werden türkischsprachige Aufführungen mit folkloristischen Anteilen ebenso zu
sehen sein wie gesellschaftspolitisch engagierte Stückentwicklungen, die sich mit
Alltagsproblematiken befassen. Einer der Schwerpunkte ist, komplexe Themen
wie das der kulturellen Identität am Beispiel des Einzelnen zu zeigen – und diese
so jenseits der komplexen, politisch-soziologischen Debatten erlebbar und
nachvollziehbar werden zu lassen.

Sowohl Hamburger Laientheater-Aufführungen als auch Gastspiele aus anderen Stadt- und Staatstheatern sind hierzu eingeladen. Die Türkische Gemeinde Hamburg, die am ersten Juniwochenende jährlich zur „Langen Nacht derDeutschtürken“ einlädt, wird gemeinsam mit der theater altonale das türkischdeutsche Theaterfestival „Heimspiel `11“ eröffnen.


• Am Eröffnungsabend (3.6.) demontiert der Kabarettist Muhsin Omurca mit
Selbstironie und Brechstange die vermeintlichen Gegensätze zwischen
Deutschen und Türken in seinem Programm „Türkenhimmel“.

• Ballhaus Naunynstraße aus Berlin zeigt die sehr persönliche Inszenierung „Tag
für Tag“ des Autoren, Regisseurs und Schauspielers Ayhan Sönmez, in der ein
Mann seinen Glauben verliert und sich auf die Suche begibt.

• Mit „Salon Istanbul“, einer musikalischen Hommage an die Völkerverständigung,
holt der Regisseur Telat Yurtsever die Bosporus-Metropole an die
Elbe.

• Eigens für das Festival wurde die Tragikkomödie „Sinir“ des satirischen Autors
Muzaffer Izgü übersetzt und so die Produktion des Tiyatro Istasyon auch für nicht
Türkischsprachige zugänglich gemacht.

theater altonale
Ein Schwerpunkt der altonale
Künstlerische Leitung:
Tania Lauenburg
Tel. +49(0)40. 39 10 90 95
Fax +49(0)40. 39 80 69 71
theater@altonale.de
altonale13
„kultur schafft freunde“
01. bis 19. Juni 2011 -
das Hamburger Kulturfest
www.altonale.de

Geschäftsstelle:
altonale GmbH
Bleickenallee 5
22763 Hamburg

Geschäftsführer:
Dieter Meine
Handelsregister Hamburg
B 114062
FA-Hamburg Altona
USt-IdNr: DE 268316522
Konto 1042 222 321
Haspa (BLZ 200 505 50)

• Auch in diesem Jahr wird es zwei Eigenproduktionen der theater altonale
geben: Während die Regisseurin Corinna Sommerhäuser eine episodenhafte
Liebesgeschichte von Henriette Dushe um eine deutsch-türkische
Partnerschaftsrecherche erweitert, inszeniert Frank Abt mit „Wir sind nicht das
Ende“ von Carsten Brandau eine Beziehung, in der die kulturellen Unterschiede
zwischen westlicher Welt und Orient aufeinander treffen.

• Die international bekannte DJane Ipek nimmt das Publikum auf eine Audio-
Reise durch die Kulturen und Musikstile des Orient.
Das Theaterfestival mit drei Spielstätten (Tiyatro Istasyon, Maschinenfabrik
Celsiusweg 13 und Thalia in der Gaußstraße), mit über 60 Schauspielern,
Musikern, Regisseuren und Autoren, mit Diskussionen und Loungemusik sucht
die Begegnung im Stadtteil Altona und darüber hinaus. Möge der gemeinsame
Theaterbesuch als Anlass dienen für einen, zwei, viele neue Dialoge.
Viel Spaß und viele Begegnungen!
Tania Lauenburg

Künstlerische Leitung der theater altonale
Das türkisch-deutsche Theaterfestival „Heimspiel ’11“ wird gefördert von der
Behörde für Kultur und Medien Hamburg und dem Türkischen Generalkonsulat
Hamburg. Wir danken dem Tiyatro Istasyon, der Projektgesellschaft Stahltwiete
13-21 mbH & Co.KG und dem Thalia in der Gaußstraße für die freundliche
Unterstützung).

Programm:
Eröffnung mit Begrüßungsworten von Tania Lauenburg (theater altonale),
Hüseyin Yilmaz (TGH), N.N. (Senatsvertreter), Devrim Öztürk (Türkisches
Generalkonsulat).
Muttheater
Karagöz und Hacivat in Almanya
Türkisch-deutsches Theaterfestival „Heimspiel `11“ der theater altonale
Die satirischen Streitgespräche von Karagöz, einem witzig gerissener Mann aus
dem Volk, und Hacivat, einem Vertreter der städtischen Bildungsschicht,
entstanden zur Zeit des osmanischen Reiches und sind in der Türkei, im Iran und
in Griechenland bis heute eine beliebte Theaterform der Unterhaltung. Ihre
Dialoge erfreuten alle Gesellschaftsschichten: der Sultan am Sultanshof lachte
ebenso darüber wie das einfache Volk in den Kaffeehäusern der Städte.
Nur wie lösen die beiden die Probleme der Gegenwart?
Regie und Dramaturgie: Mahmut Canbay / Mit Babak Bataghva und Göksan
Kurt

3. Juni, 18:30 Uhr, Thalia in der Gaußstraße, Gaußstraße 190, Tel. 32 81 44 44,
Eintritt frei

Ballhaus Naunynstraße / akademie der autodidakten
Tag für Tag – Yalanci Dünya
von Ayhan Sönmez

Türkisch-deutsches Theaterfestival „Heimspiel `11“ der theater altonale
Ein Mann verliert seinen Glauben und begibt sich auf die Suche. Selbstironisch
begibt er sich auf eine innere Reise: Er erinnert sich an seine Kindheit und
beschreibt die Wirkung der Außenwelt auf seine Innenwelt. Die Aussage »das ist
so! « seiner Eltern, seiner Freunde, mit dem ihm die Welt erklärt worden ist, gibt
es nicht mehr. „Yalancı Dünya“ heißt übersetzt „verlogene Welt“ und will sagen:
Entweder du akzeptierst die Geschichten, die dir erzählt werden, oder du sagst
nein und schreist dagegen an. Ausgangspunkt von Tag für Tag waren
autobiografische Gedanken und Tagebuchaufzeichnungen.
Regie: Ayhan Sönmez / Mit Ayhan Sönmez und Musiker Volkan T
3. Juni, 20:00 und 22:30 Uhr, Thalia in der Gaußstraße, Gaußstraße 190,
Tel. 32 81 44 44, Eintritt 15 / 9 €

Türkische Gemeinde Hamburg und die Lange Nacht der Deutschtürken
Türkenhimmel von und mit Muhsin Omurca
Die amerikanischen Wissenschaftler haben es bewiesen: Das biblische Paradies
war in der Türkei!
Und wer waren die zwei Bewohner des Paradieses?
ADAM und EVA! Ergo, sie waren Türken. Eure Ur-Ur-Großeltern waren die
Prototürken. Willkommen unter uns, liebe Deutsche, willkommen unter den
Türken. So schnell kann es gehen. Lange habt Ihr uns vorgetäuscht: „Wir sind
Deutsche, wir haben mit Euch Türken nichts zu tun, wir spielen in der
Champions- League“. Nichts da! Die Masken sind gefallen, eure inneren Türken
sind zum Vorschein gekommen.

20:15 Uhr, Thalia in der Gaußstraße, Gaußstraße 190, Tel. 32 81 44 44,
Eintritt frei

DJane Ipek
Interview und Loungemusik
Türkisch- deutsches Theaterfestival „Heimspiel `11“ der theater altonale
Mit Sounds of Turkey, OrAsia, Balkan and Elektro nimmt DJane Ipek ihr
Publikum auf eine Audio-Reise durch die Kulturen und Musikstile der Türkei,
Nordafrikas, Israels, Persiens, des Balkans, Griechenlands und Bollywoods mit,
und macht strategisch geplante Ausflüge nach Großbritannien, und in die USA.
Ihre Mixe setzen überraschende Akzente im manchmal zu gefälligen Flow der
Club Music. Der Musikkritiker Daniel Bax nannte sie in diesem Zusammenhang
eine „Zeremonienmeisterin“ der transkulturellen Völkerverständigung“.
Inzwischen ist sie auf Festivals und in Clubs überall auf dem Globus zu finden.
Ihre Bühnenausstrahlung und Fusion Sounds bringen das Publikum an allen
Orten in Ekstase: New York, die Wüsten von Mali, Salvador de Bahia,
Stockholm, Istanbul, Glasgow, Kairo oder Peking.
Zweifelsohne hat sich die türkische queer lebende She-J İpek İpekçioğlu in der
heterogenen internationalen Clublandschaft einen Namen gemacht. In
Schweden wurde sie durch das Queer- Magazin QX zum hippsten DJ Europas
gewählt. Eine weitere internationale Auszeichnung war ein Sieg İpekçioğlu’s bei
der World Beat DJ Competition in London.
21:15 Uhr, Thalia in der Gaußstraße, Gaußstraße 190, Tel. 32 81 44 44,
Eintritt frei

Tiyatro Istasyon, Altona
SINIR Die Grenze von Muzaffer Izgü
Türkisch-deutsches Theaterfestival „Heimspiel `11“ der theater altonale
Eine Grenze irgendwo auf der Erde. Zwei Länder getrennt durch einen
Stacheldraht. Dort leben zwei Menschen - zu Soldaten deklariert - und arbeiten
schwer, wirklich hart, ohne einen Tag Urlaub. Mit Waffen in Ihren Händen
kämpfen sie um ihr tägliches Überleben. Während die Nähe zu einander noch
frisch ist wie die Wurst im Magen oder die Freundschaft des Weines, werden sie
durch einen einzigen Befehl zu Feinden. Dies ist ihre Geschichte. Es ist keine
Heldensage, keine Geschichte, in der die Waffen sprechen. Es ist eine tragische
Komödie, in der Freundschaft und Gefühle und die Tragik des Krieges
ineinander greifen.
Regie: Serap Sadak / Mit Caner Sakar und Mahmut Erdinlig

4. Juni, 19 Uhr, Thalia in der Gaußstraße, Gaußstraße 190, Tel. 32 81 44 44,
Eintritt 15 / 9 €, im Anschluss Publikumsgespräch
Company Hamburg
Salon Istanbul

Türkisch-deutsches Theaterfestival „Heimspiel `11“ der theater altonale
Der Regisseur Telat Yurtsever holt die Bosporus-Metropole an die Elbe: Im
»Salon Istanbul« lässt er die mehr als 2600 Jahre alte, wechselhafte Geschichte
der Stadt, die drei Weltreichen als Kapitale diente, Revue passieren. Das
Ergebnis ist eine Liebeserklärung an die malerische Stadt, in der Orient und
Okzident tatsächlich aufeinandertreffen: Traditionelle, moderne türkische Klänge
der Klassik und Popmusik treffen auf griechische, sephardische, armenische
Klänge und Romens. Istanbul ist trotz aller Verfolgung und Vertreibung von
Minderheiten ein Schmelztiegel der Kulturen, und »Salon Istanbul« eine
musikalische Homage an die Völkerverständigung.
Regie: Telat Yurtsever / Mit Handan Kara, Mario Rispo, Elif Ergün und
Band, Burhan und Süleymann und Band Murat Ince Sirin Esinsel, Canan
Uzerli, Andreas Sarigregoriou, Fatma Aydin, Christos Topoulos, Selman
Parlak, Basak Karababa, Erol Arslan mit seinem Chor Gülsen Örsbas
Gülenay Ören, Serap Sadak, Emre Aktas, Canan Güsan, Tanz-Ensemble-
Elementy u.v.a

4. Juni, 21 Uhr, Thalia in der Gaußstraße, Gaußstraße 190, Tel. 32 81 44 44,
Eintritt 20 / 9 €
Der Ausritt mit dem Esel
Eine Geschichte aus dem 13. Jahrhundert nach Fakir Baykurt
Türkisch-deutsches Theaterfestival „Heimspiel `11“ der theater altonale
Der kluge Ali, sein Vater und der Esel begeben sich an einem heißen Tag auf
den Weg zum Markt. Unterwegs treffen sie viele Menschen und mit ihnen auch
viele Meinungen.
Wie sie damit umgehen und wozu das ganze führt, davon handelt diese
Geschichte von der übrigens ganz viele Menschen denken, sie komme aus
ihrem Land. Zum Schmunzeln und Nachdenken.
Theaterstück von Kindern der Grundschule Rothestraße und der MOTTE, Für
Kinder ab 5 Jahren.

5. Juni, 14 Uhr, Thalia in der Gaußstraße, Gaußstraße 190, Tel. 32 81 44 44,
Eintritt frei

Der kluge Ali
von Fakir und Tonguç Baykurt
Türkisch-deutsches Theaterfestival „Heimspiel `11“ der theater altonale
Der Autor und Zeichner Tonguç Baykurt liest aus „Der kluge Ali“, einer
Kinderbuchserie, die er gemeinsam mit seinem Vater Fakir Baykurt entwickelte.
Ali, der immer für überraschende Ideen gut ist, erzählt vom Leben in seinem Dorf
in der Türkei und davon wie seine Familie in den 70er Jahren nach Deutschland
kommt.
Lesung mit Bilderbuchkino für Kinder zwischen 4 und 10 Jahren.

5. Juni, 15 Uhr, Thalia in der Gaußstraße, Gaußstraße 190, Tel. 32 81 44 44,
Eintritt 4 €
theater altonale Produktion
Von sprachloser Liebe von Henriette Dushe
Eine deutschtürkische Recherche über bikulturelle Partnerschaften
Türkisch-deutsches Theaterfestival „Heimspiel `11“ der theater altonale
Ein türkischer Schauspieler. Eine deutsche Schauspielerin. Ein nahezu leerer
Raum. Ein Spiel bei dem abwechselnd Monologe und Dialoge aus einem großen
Papierhaufen gezogen werden. Weder Mann noch Frau wissen, welchen
exemplarischen Schauplatz des gemeinsamen Scheiterns sie als nächstes
freilegen werden. Der Text „Von sprachloser Liebe“ von Dushe wird
erweitert durch eine interkulturelle Interview-Recherche. Zehn unterschiedlich
sozialisierte Menschen reagieren auf den Text und reflektieren ihre Erfahrungen
mit der Liebe in deutschtürkischen Beziehungen. Das Paar auf der Bühne steht
unter Beobachtung. Mehrere Augenpaare verfolgen das Spiel, greifen ein und
stellen eigene Erfahrungen dagegen. Die Szenenfolge verdichtet sich im Verlauf
des Abends zu einer zwar fragmentarischen, doch präzisen, interkulturellen
Auseinandersetzung. Für die inszenierte Lesung „Von sprachloser Liebe“ erhielt
Corinna Sommerhäuser im Rahmen der Biennale 2010 am Staatstheater Mainz
den Regiepreis.
Regisseurin: Corinna Sommerhäuser / Mit Ercan Altun und N.N., sowie als
Interviewpartner Garip Özcan Yavuz, Ümit Aktas, Aysun Cimen, Mahmut
Erdinlig, Kemal Köseoglo u.a.

5. Juni, 19 Uhr, Thalia in der Gaußstraße, Gaußstraße 190, Tel. 32 81 44 44,
Eintritt 15 / 9 €, im Anschluss Publikumsgespräch

8. und 9. Juni, 20 Uhr, On- Off Cel 13, Celsiusweg 13, Tel. 39 80 69 70,
Eintritt 15 / 9 €

17. und 18. Juni, 20 Uhr, Tiyatro Istasyon, Hospitalstraße 111, Tel. 39 80 69 70, Eintritt 15 / 9 €
theater altonale Produktion

Wir sind nicht das Ende von Carsten Brandau
Türkisch-deutsches Theaterfestival „Heimspiel `11“ der theater altonale
Drei Jahre lang war Aishe mit Ziad Jarrah verheiratet. Bis der am 11. September
2001 in den USA ein Passagierflugzeug entführt, das dann in Pennsylvania auf
einen Acker abstürzt. Nie war ihr an Ziad etwas aufgefallen. Nichts, was auf
diesen 11. September hätte hinweisen können.
Das Stück basiert auf einer wahren Geschichte. Aishe wächst in einer gläubigen,
türkischen Familie in Deutschland auf. Sie studiert Medizin, lernt den Libanesen
Ziad kennen und heiratet ihn. Doch Ziad verschwindet, lässt sich in Florida zum
Piloten ausbilden. Wenige Stunden vor dem Anschlag ruft er Aishe an und sagt:
"Ich liebe Dich“. Wer war dieser Mensch, den sie geliebt hat? Und wer ist sie,
dass ein Mörder sie liebte?

In der Beziehung von Aisha und Ziad treffen die kulturellen Unterschiede
zwischen westlicher Welt und Orient aufeinander. Eine zutiefst individualisierte
Kultur trifft auf eine Kultur, in der Individualismus so gut wie keine Bedeutung hat.
Regie: Frank Abt / Mit Jörg Kleemann und Stephanie Schadeweg

5. Juni, 20:30 Uhr, Thalia in der Gaußstraße, Gaußstraße 190, Tel. 32 81 44 44,
Eintritt 15 / 9 €

10. / 11. / 12. Juni, 20 Uhr, On- Off Cel 13, Celsiusweg 13, Tel. 39 80 69 70,
Eintritt 15 / 9 €, im Anschluss Publikumsgespräch

Kontakt:
Tania Lauenburg, Künstlerische Leitung theater altonale
Bleickenallee 5, 22763 Hamburg;
E-Mail: theater@altonale.de; Tel.: 040-39 10 90 95

Download: pm_-theateraltonale_15-4-2011.pdf

SPD knickt vor Populismus ein!

Berlin, 22.04.2011

Presseerklärung

Fall Sarrazin:

SPD knickt vor Populismus ein!

Der Geschäftsführende Bundesvorstand der Türkischen Gemeinde in Deutschland hat auf die Rücknahme der Ausschlussanträge durch die SPD-Führung mit Entsetzen und Empörung reagiert.

Die Deutschland-Türken verurteilen dieses Vorgehen der SPD-Führung aufs Schärfste“, erklärte der Geschäftsführende Bundesvorstand in einer ersten Stellungnahme.

Die rassistischen Äußerungen des Herrn Sarrazin sind durch die Rücknahme der Ausschlussanträge legitimiert worden. Die Erklärung des Herrn Sarrazin beinhaltet keinerlei Distanzierungen von seinen Äußerungen, sie verstärkt sogar seine Thesen durch diese Erklärung. Dass die SPD-Führung diese Erklärung für ausreichend hält und den Antrag zurückzieht, zeigt, dass sie gar nicht gewillt war, Herrn Sarrazin aus der Partei auszuschließen, sonst hätte sie am Verfahren festgehalten. Die SPD ist vor den populistischen und rassistischen Sichtweisen eingeknickt.“

Die SPD habe mit diesem Schritt die ohnehin beschädigte Glaubwürdigkeit innerhalb der Migrantencommunities eingebüßt. Es werde nicht mehr ausreichen, diesen Vertrauensverlust mit irgendwelchen symbolischen Aktionen zurückzugewinnen.

Wahrscheinlich habe die SPD-Führung den in der Gesellschaft stattfindenden Rechtsruck durch Festhalten an Sarrazin auch in ihre Reihen transportiert“, erklärte der Geschäftsführende Bundesvorstand.

Die Türkische Gemeinde in Deutschland rief alle SPD Mitglieder, darunter auch die türkischstämmigen Mitglieder und Mandatsträger/innen zu Protesten auf.

Der Geschäftsführende Bundesvorstand

Kenan Kolat - Hilmi Kaya Turan - Bahattin Kaya - Dr. Elif Cındık -

Dr. Cebel Küçükkaraca - Hüseyin Yılmaz - Tayfun Çilingir -

Deniz Güner - Ömer Köşkeroğlu

 

Download: 2011-04-22+sarrazin+spd.doc

Wahl des neuen Senats

Pressemitteilung
zur Wahl des neuen Senats

Gestern hat die Hamburgische Bürgerschaft den neuen Senat von Bürgermeister Olaf Scholz gewählt. Die Türkische Gemeinde Hamburg wünscht allen Senatsmitgliedern Glück und Erfolg bei der Bewältigung der vor uns liegenden Aufgaben. Wir werden uns gern mit konstruktiven Vorschlägen an der Lösung der anstehenden Probleme beteiligen. Aus unserer Sicht wäre es allerdings an der Zeit gewesen, endlich auch in Hamburg ein Senatsmitglied mit Migrationshintergrund zu berufen, um ein Zeichen zu setzen an die Hundertausende, die selbst oder deren Eltern oder Großeltern in den vergangenen 50 Jahren nach Hamburg eingewandert sind, ein Zeichen, das besagt: »Auch Ihr gehört dazu!«
Es sind die Taten, die den Integrationsprozess fördern, nicht deren Ankündigung. Wer die Beteiligung von Migranten wünscht, muss auch zeigen, dass die Türen dafür offen sind. Auf diesem Wege ließe sich sicher auch eine bessere Wahlbeteiligung erreichen. Wir hoffen, dass dieser Gesichtspunkt demnächst auch in Hamburg Berücksichtigung findet.

Hüseyin Yılmaz
(Vorsitzender)
Türkische Gemeinde in Hamburg und Umgebung e.V.
Hamburg ve Çevresi Türk Toplumu
Mitglied in der Türkischen Gemeinde in Deutschland
und im Paritätischen Wohlfahrtsverband

Der Vorsitzende
Hüseyin Yılmaz
Tel: (040) 413 66 09-0
Fax: (040) 413 66 09-69
info@TGHamburg.de
www.tghamburg.de

Hamburg 24.3.2011

Download: pm_11-03-24_der-neue-senat.pdf

Lokale Hilfen für den Berufseinstieg

Pressemitteilung vom 3.2.2011

Lokale Hilfen für den Berufseinstieg

Das EU Förderprogramm „Stärken vor Ort“ geht in die 3. Runde

In Altona Altstadt starten jetzt wieder 10 neue Mikroprojekte für Jugendliche und Frauen.

Ziel der Projekte ist die Verbesserung der sozialen, schulischen und beruflichen Integration von jungen Menschen mit schlechten Startchancen sowie von Frauen mit Problemen beim Einstieg und Wiedereinstieg in das Erwerbsleben.

Für das Projekt stellt das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend dem Bezirksamt Altona insgesamt 100.000,- Euro im Jahr zur Verfügung. Koordinierender Träger ist die movego GmbH.

Die innovativen, niedrigschwelligen Projekte holen Jugendliche und Frauen dort ab wo sie stehen, greifen ihre Interessen und Problemlagen konkret auf, motivieren und zeigen Wege in den Beruf.

Beispiele:

Völlig neu ist z.B. der Ansatz des „TANZTHEATER’s – Was will ich eigentlich werden?“ Nach der Recherche zum Berufsbild und der Erarbeitung eines Kompetenzprofils entwickeln die Jugendlichen eine Choreographie, die ihre individuelle Auseinandersetzung zum Thema Beruf auf die Bühne bringt. Potentielle Arbeitgeber werden zur Aufführung eingeladen und erste Kontakte geknüpft.

Im „Hip Hop Camp“ knüpfen Jugendliche Kontakte zu Mentoren, die sie durch Schule und Berufsfindung begleiten. Personen aus medientechnischen Berufen stellen ihre Professionen vor, gemeinsam wird ein Musikvideo produziert.

Auch das „Frauen-JobMobil“ (Beratungsbus mit Internetanschluß, Telefon, Fax und Kopiermöglichkeit und Job Börsen) ist wieder in Altona unterwegs und bietet ein offenes Beratungsangebot zur beruflichen Orientierung für Frauen und ihre Familien.

„Auf die Plätze, fertig, Job!“ bildet Frauen mit Migrationshintergrund zu Lotsen aus, die in ihrer Nachbarschaft und in ihrem Bekannten-/ Familienkreis über den Arbeitsmarkt, Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen informieren und helfen, Hemmnisse vor den Behörden und gesellschaftlicher Teilhabe abzubauen.

Träger dieser und weiterer Projekte sind die Türkische Gemeinde Hamburg e.V., die Lawaetz-Stiftung, verikom e.V., M.U.T. – Musik und Toleranz e.V., einfal GmbH, klinkenborg.communications, SportJobs gGmbH, Nina Heinzelmann, Jugend hilft Jugend e.V.

Mit diesem Programm sollen 170 Jugendliche und 70 Frauen in Altona Altstadt angesprochen werden.

Hintergrundinformationen:

Das Programm „Stärken vor Ort“ läuft erfolgreich seit 2008 und geht mit Anfang dieses Jahres in seine vorläufig letzte Runde.

In dem dreijährigen Programm werden so genannte Mikroprojekte jeweils für maximal ein Jahr gefördert. Soziale Organisationen, Träger der Jugendhilfe, Schulvereine, Einrichtungen für MigrantInnen oder auch Sportvereine sind eingeladen, Konzepte für eigene Projekte vorzuschlagen. Im Rahmen des Lokalen Aktionsplans werden Zuschüsse in Höhe von bis zu 10.000 € pro Projekt vergeben. Das Programm wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) und dem Europäischen Sozialfonds (ESF) der Europäischen Union (EU) gefördert.

Mit „Stärken vor Ort“ setzt das BMFSFJ das Programm „Lokales Kapital für soziale Zwecke" fort. Kommunen und Landkreise haben Lokale Aktionspläne entwickelt, auf deren Grundlage Mikroprojekte zur Verbesserung der sozialen, schulischen und beruflichen Integration von jungen Menschen mit schlechteren Startchancen sowie von Frauen mit Problemen beim Einstieg und Wiedereinstieg in das Erwerbsleben durchgeführt werden. Die Adressaten sollen durch kleine, innovative Projekte erreicht und aktiviert werden. Das Programm verfolgt einen niedrigschwelligen Ansatz und will diejenigen ansprechen, die durch die Regelförderung nur schwer zu erreichen sind.

Die Umsetzung erfolgt dezentral in ausgewählten Fördergebieten – hier Altona Altstadt - durch lokale Koordinierungsstellen und das lokale bzw. regionale Netzwerk. Die Mikroprojekte werden vor Ort durch einen Begleitausschuss ausgewählt, in dem sich alle relevanten Akteure, die BewohnerInnen und die Adressaten des Programms engagieren. Grundlage der Förderentscheidung ist der Lokale Aktionsplan, den alle Beteiligten erarbeiten und umsetzen. Diese Vorgehensweise soll maßgeschneiderte Projekte ermöglichen, z.B. aufsuchende und motivierende Ansätze, Projekte zur Stärkung von Schlüsselkompetenzen, zur (ersten) beruflichen Orientierung, zum Erwerb erster Fachkenntnisse oder zur Unterstützung junger Menschen beim Übergang von der Schule in den Beruf. Darüber hinaus werden das Engagement und zivilgesellschaftliche Strukturen nachhaltig gestärkt.

Eine Fortführung des Programms über 2011 hinaus ist bisher noch nicht gesichert. Interessierte Träger wenden sich daher bitte ab September 2011 an die: 

Kontakt:

Das TGH-Mikroprojekt "Auf die Plätze, fertig, Job!" für Frauen.

Meryem Celikkol (Koordination)

Hospitalstraße 111, TGH-Haus

22767 Hamburg

040 / 413 66 09-32    Fax: 040 / 413 66 09-69

Meryem.Celikkol@tghamburg.de

 

Lokale Koordinierungsstelle Altona-Altstadt:

movego GmbH

Susanne Hempelmann, Lederstr. 22, 22525 Hamburg       

040 / 7 43 17 – 245     Fax: 040 / 7 43 17 – 111

Erreichbarkeit: Dienstag & Donnerstag 9.00 bis 14.00 Uhr

hempelmann@movego.eu      

www.movego.eu

 

Weitere Informationen erhalten Sie auf folgenden Websites:

www.staerken-vor-ort.de

www.esf-regiestelle.eu

Download: pressemitteilung-3-2-2011.pdf

Werben für den deutschen Pass

Deutsche Welle

Migration 03.02.2011

Werben für den deutschen Pass

In Deutschland wollen immer weniger Ausländer Deutsche werden. Die Stadt Hamburg setzt deshalb jetzt sogenannte Einbürgerungslotsen ein. Sie sollen für den deutschen Pass werben.

Ein schlichtes Haus in Hamburg-Altona. Hier hat die Türkische Gemeinde ihren Sitz. Seit kurzem haben dort auch die Einbürgerungslotsen ihr Büro. Gerade sortiert Jardena Kifle ihre zahlreichen Papiere. Die zierliche Frau aus Eritrea mit dem offenen, freundlichen Lächeln ist eigentlich Kulturmanagerin. Vermitteln gehört zu ihrem Job und genau das versucht sie hier auch. Die 32-Jährige ist eine von rund 30 ehrenamtlichen Einbürgerungslotsen. 

Typische Probleme von Ausländern

Neben ihr sitzt Joel Atakora aus Togo. Der 35-Jährige ist Dolmetscher. Er lebt seit zehn Jahren in Deutschland und hat vor einem Jahr einen Antrag auf Einbürgerung gestellt: "Bisher habe ich nicht eine Rückmeldung von der Behörde bekommen, ich verstehe das gar nicht", klagt er. Weil Joel Atakora gut Deutsch spricht, hat er mehrfach selbst bei der Behörde angerufen, doch entweder hat er dort niemanden erreicht oder er wurde vertröstet.

Probleme, von denen die Einbürgerungslotsin Jardena Kifle immer wieder hört. Manchmal greift sie dann selbst zum Hörer und versucht das Anliegen mit den Behördenmitarbeitern zu klären. Gleichzeitig merkt sie aber auch, wie wenig Zuwanderer oft über die Voraussetzungen zur Einbürgerung wissen. Dann zieht sie einen Zettel aus ihrem Papierstapel und erklärt Dinge, wie: "Für den deutschen Pass müssen Sie mindestens acht Jahre in  Deutschland leben, ein dauerhaftes Aufenthaltsrecht haben und gut Deutsch sprechen."

Mangelndes Vertrauen in deutsche Behörden

Fehlt dem Antragsteller zum Beispiel der Integrationskurs, kann Kifle mit einer entsprechenden Adressliste weiterhelfen oder auch mal mit zu einer Behörde gehen. Sie selbst hat sich bereits vor zwölf Jahren einbürgern lassen. Doch selbst mit deutschem Pass kann sie das Misstrauen vieler Zuwanderer gegenüber den Behörden nachempfinden: "Es ist einfach dieser schroffe Ton bei den Behörden, die Sorge, dass man die Formulare richtig ausgefüllt hat und auch die richtigen Papiere dabei hat. Und dazu kommt noch, dass in manchen Herkunftsländern die Behörden einfach sehr viel Macht hatten." Viele Ausländer fürchteten deshalb Repressionen, wenn sie auf das Verhalten deutscher Beamter unfreundlich reagieren.

Einbürgerungskampagne soll Zahlen steigen lassen

Zwischen 2000 und 2007 haben sich deutschlandweit jedes Jahr im Durchschnitt rund 140.000 Menschen einbürgern lassen. 2009 waren es nur noch 96.0000 Zuwanderer, darunter mit Abstand die meisten Türken, gefolgt von Kosovaren, Serben und Montenegrinern. Insgesamt aber scheint das Interesse der Migranten an einem deutschen Pass gesunken.

Die Stadt Hamburg will aber die Identifikation der Menschen mit ihrer Stadt steigern und sie langfristig an sich binden. Sie hat deshalb eine groß angelegte Einbürgerungskampagne mit prominenten Zuwanderern gestartet. Die Einbürgerungslotsen, die bei der Türkischen Gemeinde Hamburg angesiedelt sind, gehören zu dieser  Kampagne.

Der Vorteil, Deutscher zu sein

Die Lotsen beraten nicht nur, sondern sie werben auch für die Vorteile eines deutschen Passes. Da Jardena Kifle selbst Migrantin ist, wirkt sie besonders überzeugend, wenn sie sagt: "Als Deutsche kann ich wählen, reisen und arbeiten, der Ausweis öffnet mir Türen."

Hüseyin Yilmaz von der Türkischen Gemeinde Hamburg, die für die Schulung der Lotsen verantwortlich ist, setzt auf langfristige Veränderungen: "Je mehr Migranten einen deutschen Pass haben, desto größer ist auch deren Einflussnahme auf Politik und Wirtschaft."

Autorin: Kathrin Erdmann

Redaktion: Daniel Scheschkewitz

http://www.dw-world.de/dw/article

Download: dw-kathrin-erdman---eb-lotsenprojekt.pdf

TGH Jugend hat gewählt

Am 23. Januar 2011 hat die Jugendorganisation der Türkischen Gemeinde in
Hamburg und Umgebung e.V. im Rahmen der 6. ordentlichen Mitgliederversammlung
einen neuen Vorstand gewählt. Der neue Vorstand besteht aus folgenden
Mitgliedern:


Vorstandsvorsitzende: Gizem Oktay
Vorstandsvorsitzende: Özlem Eryüksel
Stellv. Vorstandsvorsitzender: Ersoy Kıroğlu
Öffentlichkeitsarbeit: Deniz Akpınar
Finanzen: Selçuk Demirtas
Projekte: Seçil Çetiner
Veranstaltungen: Aslıhan Yesilkaya
Datenverwaltung: Ezgi Tarayıcı

Ersatzmitglieder: Cem Savas Bassoy
Emel Demir
Bilinç Ercan
Ayça Fidan
Dr. Hakan Fidan
Meltem İlter
Burcu Özcanyüz Seymen
Dr. Atılım Seymen
Kontrollrat: Meral Dargil
Aslıhan Yesilkaya

Im Vorstand der Jugendorganisation befinden sich in Deutschland geborene bzw.
aufgewachsene Türkischstämmige sowie aus der Türkei zum Studieren und Arbeiten

Download: tgh-jugend-pressemitteilung_wahlen23012011.pdf

So verläuft ein Integrationskurs

Hamburger Abendblatt 30.12.2010

Hamburg-Altona

Wie funktioniert Demokratie? Was steht im Grundgesetz? 14 muslimische Frauen lernen im Bezirk Altona, was Deutsch-Sein bedeutet.

In dem Test werden 25 Fragen drankommen. Die Frauen müssen ankreuzen, meistens gibt es vier Möglichkeiten. 16 Aufgaben müssen sie lösen, um zu bestehen.
Foto: Marcelo Hernandez

Das Zubehör für die Integration von Kurs 16 liegt in einer großen Pappschachtel und hat 66 Teile. "Wir beginnen mit einem Puzzle", sagt Brigitte Willke. Die Lehrerin öffnet die Schachtel und lässt die Puzzleteile auf den Tisch fallen. "Europa ist das", sagt Willke. Ihre Schülerinnen sollen den Kontinent zusammensetzen. Die Puzzleteile sind groß, auf dem Karton steht, dass das Spiel für Kinder ab sechs Jahren geeignet ist. Wer sich ein wenig mit Erdkunde auskennt, vereinigt Europa schnell. Doch die meisten der 14 Frauen hier im Unterrichtsraum der Türkischen Gemeinde Altona kennen nur ein einziges Land: die Türkei. Also lösen sie die Aufgabe wie Kleinkinder: Sie fahren die Kanten der Puzzleteile mit dem Finger ab, stecken die Teile so lange zusammen, bis sie passen. Nach 20 Minuten ist Europa vereinigt. "Welche Länder kennt ihr?", fragt Willke. Die Frauen nehmen kleine Fähnchen und stellen sie auf die Länder. Die Deutschland-Fahne stellen sie auf Polen, die Österreich-Fahne auf Frankreich.

Es ist die Stunde eins im Orientierungskurs 16, Trägernummer 74790-HH. Seit zwei Jahren lernen die Migrantinnen hier Deutsch. Jetzt sollen sie das Land, in dem sie seit Jahren schon leben, kennenlernen. 45 Stunden umfasst der Orientierungskurs, er dauert dreieinhalb Wochen und wird mit einer Prüfung abgeschlossen. Die Themenblöcke heißen "Politik in der Demokratie", "Geschichte und Verantwortung", "Mensch und Gesellschaft".

Sprachkurs und Orientierungskurs zusammen ergeben den Integrationskurs, den Einwanderer in Deutschland absolvieren, um weiterhin Sozialleistungen zu erhalten oder einen deutschen Pass zu beantragen.

Kurs 16 besteht nur aus Frauen. "Projekt Regenbogen", nennt die Türkische Gemeinde Hamburg das Programm. Die Teilnehmerinnen wurden in Moscheen und Schulen angesprochen. Die Türkische Gemeinde verdient Geld mit den Kursen, die das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge an private und öffentliche Träger ausschreibt. Die Frauen aus Kurs 16 haben zunächst Lesen und Schreiben in ihrer Muttersprache gelernt, so gut das eben geht. Erst danach war Deutsch dran. Ihr Ziel ist der B1-Status. Damit können sie den Einbürgerungstest machen und leichter eine Arbeit finden.

Wenn die Frauen den Kurs nicht absolvieren, wird ihnen das Hartz-IV-Geld gekürzt, drohen die Behörden.

Sie sind also hier, weil sie müssen. Das ist ihre Chance.

"Ich heiße Yasemin, ich bin 26 Jahre alt, ich bin seit 2002 in Deutschland", sagt Yasemin in der Vorstellungsrunde. Sie hat zwei Kinder - einen siebenjährigen Sohn, eine vierjährige Tochter. Ihr Haar verbirgt sie unter einem Kopftuch. Ihr hübsches Gesicht versteckt sie nicht. Sie schminkt ihre Lippen und zupft ihre Augenbrauen. Sie sagt, sie liebt "Klamotten" - soweit es ihre Kleidungstradition erlaubt. Ihr Kopftuch hat an jedem Unterrichtstag eine andere Farbe. Ihre Hosen sind figurbetont. Sie kichert häufig. Ihre Hobbys sind Spazierengehen und Putzen, sagt sie. Sie ist ihrem Mann damals nach Hamburg nachgezogen.

Zülfiye ist 39, hat drei Söhne im Alter von zwölf, elf und sieben Jahren. Sie ist eine kräftige Frau, meistens in Schwarz gekleidet. Zülfiye hat keinen Beruf und lebt seit 13 Jahren in Deutschland, weil ihr Mann hierher gezogen ist.

Yasemin und Zülfiye sind streng religiös, schicken ihre Kinder in die Koranschule. Sie sind die Wortführerinnen im Kurs. Die Älteren schweigen meistens: die 50-jährige Hafiza zum Beispiel, die seit Jahrzehnten in Deutschland lebt und kaum Deutsch spricht. Sie gehört zu einer verlorenen Generation, was die Integration angeht.

Rindi, 39, passt weder zu den Jungen noch zu den Alten. Sie lebt getrennt von ihrem Mann, das isoliert sie von den anderen. Rindi hat drei Söhne und ist seit 14 Jahren hier.

Die Iranerin Nadjmeh, 39, lebt seit 15 Jahren hier und ist alleinerziehende Mutter eines Sohnes und einer Tochter. Nafiye, 40, kommt aus Mazedonien, sie hat zwei Söhne und eine Tochter und lebt seit 18 Jahren hier. Nadjmeh und Nafiye sprechen gut Deutsch.

Die Frauen aus Kurs 16 könnten Protagonisten in Thilo Sarrazins Buch "Deutschland schafft sich ab" sein: Keine der Frauen ist berufstätig, alle sind abhängig von Hartz IV, alle sind nur wenige Jahre zur Schule gegangen - wenn überhaupt. Sie sind überdurchschnittlich religiös und leben weitgehend unter sich, in Parallelgesellschaften, die sie jetzt für den Integrationskurs verlassen müssen. Thilo Sarrazin kennen die Frauen aus Kurs 16 nicht.

45 Stunden lang sollen sie lernen, was Deutschland ist und was Deutsch-Sein bedeutet. Am Ende sollen sie 250 Fragen und Antworten beherrschen, von denen 25 zufällig ausgewählte im Test drankommen. Der Test macht keinen Unterschied, ob die Prüflinge ein Studium oder gar keinen Schulabschluss haben - ob sie schnell lernen oder sehr langsam. Das macht den Unterricht für die Integrationslehrerin Brigitte Willke so schwer.

Als Kulisse dient ein 30 Quadratmeter großer Raum im Erdgeschoss der Türkischen Gemeinde. Vorne steht eine Tafel, hinten hängt eine Deutschland-Karte, Bilder von Rügen, der Elbe und von Schloss Sanssouci sind darauf.

Manche der Frauen werden in den kommenden Tagen Deutschland verstehen lernen, andere nicht. Bis zum Test sind es noch dreieinhalb Wochen.

 

Bundesadler

Am Tag nach dem Puzzle sind fünf Frauen da, die Teilnehmerzahl wird auch an den kommenden Unterrichtstagen schwanken. Die Frauen lesen in der vierten Stunde ihres Deutschland-Kurses einen Text über die Kommunalverwaltung. "Burgermauster", liest Rindi stockend. "Bürgermeister", korrigiert Willke. "Wie heißt der Bürgermeister von Hamburg?" Niemand weiß es. "Christoph Ahlhaus", sagt Willke. "Früher war es Ole von Beust. Der ist aber jetzt kaputt. Raus." Das Wort Rücktritt ist zu schwer für die Migrantinnen. Willke spricht laut, betont alle Silben. Bür-ger-mei-ster, sagt sie.

Yasemin fährt mit dem Finger über den Text, bleibt bei einem Wort stehen. "Was ist das: Bundesrepublik?", fragt sie. "Das Wort ,Bund' kennt ihr", sagt Willke - "ein Bund Karotten zum Beispiel. Die Bundesländer sind die Karotten, gemeinsam ergeben sie die Bundesrepublik Deutschland." Die Migrantinnen schauen sich verwirrt an.

Willke verteilt kleine Zettel, auf einigen steht eine Frage, auf anderen eine Antwort. Die Frauen sollen durch den Raum gehen und die passenden Fragen zu den Antworten suchen. "Was ist Bundeskanzlerin?", fragt Yasemin. Neben ihr sitzt Zülfiye und hat einen Zettel mit der Aufschrift "Angela Merkel". Doch die Worte sagen ihnen nichts.

Welche Nachbarländer hat Deutschland? Wie viele Mitgliedstaaten hat die EU? Es sind schon die Testfragen, die die Frauen hier vor sich haben. Sie müssen wissen, wo das Europäische Parlament arbeitet, seit wann es den Euro gibt und was die Römischen Verträge sind. Frustriert bleiben die Frauen auf ihren Plätzen sitzen.

Willke fragt Yasemin, in welchem Land Brüssel liegt. "Berlin", sagt Yasemin. Willke schüttelt traurig den Kopf. "Heute mein Kopf nicht funktioniert", sagt Yasemin entschuldigend.

Am Ende der Stunde stellt Willke den Bundesadler vor. Und lernt von Zülfiye, dass der Adler in der Türkei eine andere Bedeutung hat. "Bringt Unglück", belehrt Zülfiye die Deutsche. "Wenn Adler kommt, dann Erdbeben."

Willke beendet die Integrationsstunde. Schnell leert sich der Raum. Die Frauen werden gebraucht. Kochen, den Mann bewirten, putzen, die Kinder versorgen. "Die Situation dieser Frauen ist wie Einzelhaft", sagt Brigitte Willke. Die 49-Jährige sieht müde aus - ihr Gesicht ist blass, ihre Augenringe sind dunkel, das blonde Haar ist stumpf. "Ich will in einer Gesellschaft leben, in der alle Räume bewohnt werden und alle teilhaben können", sagt sie. Es geht ihr um die Menschen am Rand der Gesellschaft. Mittlerweile steht sie selbst dort. Für 45 Minuten Unterricht bekommt sie 22 Euro - ein Integrationskurs bei der Türkischen Gemeinde bringt ihr 700 Euro im Monat, sie arbeitet auch noch für andere Träger. Willke hat alleine zwei Söhne großgezogen. Die Familie musste ihre alte Wohnung verlassen, weil Willke sie nicht bezahlen konnte.

Sie könnte verwöhnten Reichen-Kindern Nachhilfe-Stunden geben, schließlich hat sie Politik und Wirtschaft auf Lehramt studiert. "Die bezahlte Gouvernante", sagt Willke verächtlich. Aber das will sie nicht sein. Stattdessen muss sie hinnehmen, dass die Frauen zu spät zum Unterricht kommen, die Hausaufgaben und den Unterrichtsstoff vergessen. "Ich nehme das nicht persönlich", behauptet sie. Sie will, dass auch diese Frauen zu Deutschland gehören. Wollen die Frauen das überhaupt? Willke denkt nach und sagt dann, als ob sie sich selbst davon überzeugen muss: "Ich glaube schon."

Menschenwürde

In der siebten Stunde des Orientierungskurses geht es ums Grundgesetz. "Mei-nungs-frei-heit", skandiert Brigitte Willke. Was ist das? In Deutschland dürfen die Menschen offen etwas gegen die Regierung sagen. "Man kann auch sagen, Angela Merkel ist doof. Man kommt deshalb nicht ins Gefängnis."

Rindi soll den Artikel 1 des Grundgesetzes vorlesen. "Die Würde des Menschen ist unter..." - "Un-an-tast-bar", hilft Willke. Was ist Würde? "Wenn ich nicht verstehen Deutsch und alle lachen, dann ich traurig", sagt Zülfiye. Und: "Arbeitslos zu sein ist Problem mit Würde." Willke pflichtet ihr bei. "Jeder Mensch ist, wie er ist. Er ist schön. Ich habe Fehler, aber das ist egal. Ich habe meine Würde." Zülfiye bemerkt, dass ihre Kinder ihre Würde seien.

"Der Mann darf die Frau nicht schlagen", fährt Willke fort. "Aber alle Männer schlagen ihre Frauen", sagt Zülfiye empört. Sie erzählt von ihrem deutschen Nachbarn, der seine Freundin schlägt. Das kann sie durch die Wände hören. "Sie hat Auge blau", sagt sie. Nadjmeh, die Iranerin, sagt: "Sie kann Frauenhaus gehen." So wie sie selbst.

Nadjmeh war 14, als sie ihren Mann heiratete. Ihre Eltern hatten über die Hochzeit befunden. Mit 16 bekam sie das erste Kind, zwei weitere folgten. Die Familie kam nach Deutschland, um hier Arbeit und Glück zu suchen. Doch sie fanden keine Arbeit, und Glück hatte Nadjmeh noch nie. Ihr Mann schlug sie. Sie nahm es hin, jahrelang. Bis sie eines Tages mit ihren Kindern zu ihrer Schwester floh. Erst wohnte sie in einem Hamburger Frauenhaus.

Jetzt lebt sie mit ihren jüngeren beiden Kindern in einer Sozialwohnung. Ihr Mann sucht sie, er ist mittlerweile wieder in den Iran zurückgekehrt, zusammen mit dem ältesten Sohn. Aber er will die beiden anderen Kinder. "Ich habe Angst", sagt Nadjmeh, "wenn mein Mann herausfindet, wo ich wohne, kann er alles mit mir machen."

Es ist sehr still im Klassenraum geworden. Viele der Frauen kennen Gewalt. Auch Zülfiye, die vorhin von ihrem schlagenden deutschen Nachbarn erzählt hat. Vor ein paar Wochen hat sie sich gegenüber ihren Klassenkameradinnen offenbart. Sie erzählte von ihrem Mann, von seinem Zorn, seiner Unzufriedenheit, weil er keine Arbeit hat. Dass er frustriert vor dem Fernseher sitzt und türkische Programme anschaut - so laut, dass ihre Kinder nicht ihre Hausaufgaben machen können. Am liebsten würde sie ihn verlassen, hat sie damals gesagt. Aber ihre Erziehung verbietet es. Deshalb bleibt sie bei ihm. Wegen der Kinder. Als Zülfiye sich den Frauen öffnete, erlitt sie einen Zusammenbruch. Ein Krankenwagen musste sie in die Klinik bringen.

Republik

In Stunde 16, nach fünf Unterrichtstagen, beschließt Brigitte Willke, mehr mit Arbeitsblättern zu arbeiten und weniger Stoff an der Tafel zu erklären. "Sonst bin ich bald durch", sagt sie. Heute sind sechs Frauen da. Die Stimmung ist schlecht. Willke fordert die Frauen auf, ihre schweren, dunklen, langen Mäntel während des Unterrichts auszuziehen. Das ist Willkes Rebellion gegen die strenge islamische Kleiderordnung für Frauen.

"Yasemin, was ist ein Bundesland?", fragt Willke. "Vergessen", sagt Yasemin und senkt den Kopf. "Ist Karstadt ein Bundesland? Oder Aldi?" - "Nein." Auch was eine Bundeskanzlerin ist, hat Yasemin vergessen. Das Wort Republik ist ihr immer noch fremd. Sie schlägt es in ihrem türkisch-deutschen Taschenwörterbuch nach.

Auf Willkes Zettel steht die Überschrift "Strukturprinzipien des deutschen Staates". Die Frauen müssen wissen, was Kommunen sind. "Wo arbeitet die Regierung von Hamburg, Rindi?" - "Weißes Haus." - "Wie heißt der Chef von Hamburg?" Schweigen. Willke hilft: "Klempnermeister? Bäckermeister?" - "Bürgermeister", ruft Yasemin.

Hafiza schüttelt den Kopf. Sie versteht gar nichts. Sie weiß nicht, was ein Bürgermeister ist. Sie jammert auf Türkisch vor sich hin. In der vergangenen Woche hat Willke ihr gesagt, dass sie doch mit ihren Söhnen lernen soll, die fließend Deutsch sprechen. Hafiza hat ihr gesagt, dass ihre Söhne nicht mit ihr reden. Sie muss ihnen Essen kochen, danach wollen die Männer ihre Ruhe.

Glaubensfreiheit

In Stunde 19 erklärt Brigitte Willke, was Religionsvielfalt ist. Sie zeigt auf ihren Faltenrock. "Vielfalt. Viele Falten", sagt sie. "Alles ist erlaubt in einer Stadt: Moschee, Kirche, Synagoge. Die Polizei kommt nicht zum Kontrollieren."

Erste Fortschritte sind erkennbar. Zülfiye erklärt, dass Schulpolitik Sache der Länder ist. Yasemin kennt alle deutschen Stadtstaaten. "Super! Wow!", ruft Willke begeistert. Zülfiye möchte wissen, ob auch der Anspruch auf Geld im Grundgesetz steht. Nein, sagt Willke. "Wer viel arbeitet, hat viel Geld. Wer wenig arbeitet, hat wenig Geld. Kapitalismus heißt das."

In einer Pause verteilt Brigitte Willke Baumkuchen. "Alkohol drin?", fragt Rindi. Erst als Willke ihr alle Inhaltsstoffe vorgelesen hat, greift sie zu.

Willke könnte weitermachen mit den Fragebogen. Aber sie möchte, dass die Frauen etwas mitnehmen von dem, was sie hier erzählt. Sie hält eine Zeichnung hoch. Eine Königskrone ist zu sehen. Sie ist durchgestrichen. Ebenfalls durchgestrichen ist eine Oligarchen-Schar. Das Idealbild zeigt viele kleine Männchen, sie alle befinden sich in einem Kreis mit einer Krone darüber. "Das ist Demokratie", sagt Willke. "Alle sind König."

Sie möchte, dass die Frauen einen Klassenausflug organisieren. "Jeder muss was sagen. Das ist Demokratie. Alle sind König", sagt sie und geht an die Tafel. Die Frauen sollen Vorschläge machen. Doch nichts kommt. Willke schreibt drauflos: Kino, Planetarium, Hagenbeck. Keine Regung. Sie möchte rausgehen mit den Frauen, etwas sehen, erleben. Doch das Einzige, was die Frauen möchten, ist ein gemeinsames Frühstück in einem sunnitischen Café. Willke möchte dort nicht hin. Für Frauen gebe es dort einen abgetrennten Bereich, neben dem Eingang zu den Toiletten, sagt sie. Frauen werden dort nicht am Platz bedient.

Demokratie

In Stunde 28 verteilt Brigitte Willke Informationsbroschüren. Eine Weiterbildung zur "Serviceassistentin im Gesundheitswesen" inklusive Sprachkurs und Praktikum. Eigentlich perfekt für Yasemin. Doch diese steckt die Broschüre schnell in ihre lila Lederhandtasche. "Ich meine Mann fragen", sagt sie.

Als Yasemin ihren Mann geheiratet hat, war sie 16. Er ist in Deutschland aufgewachsen, sie in der Zentraltürkei. Ihr Mann hat einen Job bei der Post. Yasemins Job sind die beiden Kinder. Einmal, auf einer islamischen Hochzeit, hat er ihr erlaubt, das Kopftuch abzunehmen. Sie fand diesen Tag so schön, dass sie ein Foto von damals im Portemonnaie hat. Willke hat das Foto gesehen, sie sagt, dass Yasemin wunderschöne lange Haare hat. Nach dem Fest hat Yasemins Mann ihr verboten, das Kopftuch in der Öffentlichkeit abzunehmen.

Willke hält ein Bild hoch. Ein Mann ist zu sehen, er hält ein Transparent hoch. "Was ist das, Rindi?" - "Weiß nicht, vergessen." - "Das ist ein Demonstrant." Die Worte Demokratie und Demonstration sind für die Frauen besonders schwer auseinanderzuhalten. Leider weiß Rindi auch nicht, was Demokratie ist. Herrschaft des Volkes. Willke versucht ihr zu erklären, was Herrschaft bedeutet. "Du hast viele Hühner und einen Hahn. Verstehst du? Gokgokgok! Der Hahn ist der Chef. Er ist der Herrscher. Demokratie ist, wenn alle Leute bestimmen. Alle sind Hähne. De-mo-kra-tie." - "Härrscha", sagt Rindi und guckt ungläubig. Der Unterricht geht weiter: Währungsreform, Arbeiteraufstand vom 17. Juni, Marshallplan, Wirtschaftswunder, RAF, Mauerbau, Mauerfall. In Stunde 30 des Kurses zieht die gesamte deutsche Nachkriegsgeschichte an den Migrantinnen vorbei.

Zum Schluss der Stunde unternimmt Willke noch einen Versuch wegen des Klassenausflugs. Sie hat immerhin Nadjmeh auf ihrer Seite. "Ich möchte meinen Kindern etwas bieten. Theater oder so. Wollen wir das am Wochenende zusammen machen?", fragt die Iranerin ihre Mitschülerinnen. Keine antwortet. "Okay, dann eben nicht", sagt Willke. Es sind Tage wie diese, an denen sie nicht mehr kann.

Prüfung

Es ist Montag, und die letzten drei Stunden Deutschland stehen auf dem Stundenplan. Heute Mittag findet die Prüfung statt. Am Wochenende haben die Frauen ihren Sprachtest gemacht. Vier Frauen haben den B1-Status erreicht: die Türkinnen Yasemin und Zülfiye, die Iranerin Nadjmeh und die Mazedonierin Nafiye.

Doch heute geht es um Deutschland. Zehn Frauen werden zur Prüfung antreten. Zehn von 14, die anderen vier sind irgendwann nicht mehr gekommen - weil sie krank wurden oder weil sie vor dem Stoff kapituliert haben. Die Kandidatinnen blättern konzentriert durch ihre Bogen. Sie sind erleichtert, als Willke in den Klassenraum kommt. "Ganz ruhig. Nicht nervös sein. Alles wird gut", sagt die Lehrerin. Dabei ist sie selbst die Aufgeregteste.

Willke wiederholt ihren Stoff. Sie redet von blonden und schwarzen Haaren und von Pferden und Hunden, um das Wort "Rasse" zu erklären, aus dem sich "Rassismus" ableitet. Sie spricht von der "Weißen Rose", der Pressefreiheit, dem Brief- und Fernmeldegeheimnis. Und sie malt an die Tafel: Mauersteine für den Mauerbau, Jahreszahlen wie 1933, 1945, 1990. Sie kritzelt, sie malt, am Ende ist die Kreide fast aufgebraucht, sie schreibt mit dem Stummel weiter, ihr Fingernagel schrammt über die Tafel. Vielleicht lässt die Prüferin ihre Krakeleien an der Tafel stehen.

Um 12.30 Uhr sind 45 Stunden Deutschland zu Ende. Die Prüfung mit der Nummer 22403 beginnt, die Prüferin teilt Bogen mit einem aufgedruckten Bundesadler aus. Vorher hat sie die Tafel gewischt.

Leise lesen die Frauen die Prüfungsaufgaben. Man hört nur das Wispern ihrer Stimmen beim Lesen und das Rascheln ihrer Bogen. Sie müssen ankreuzen, es gibt meistens vier Möglichkeiten. Jede Frau hat einen anderen Test. Nadjmeh soll wissen, welcher Gedenktag am 27. Januar in Deutschland begangen wird. Brigitte Willke empört sich über die Frage, sie weiß die Antwort selbst nicht. Es ist der Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus. "Pssst!", sagt die Prüferin. Nach 45 Minuten sagt sie: "So, die Prüfung ist beendet." Von 25 Fragen müssen die Frauen 16 richtig haben.

Abschied

Der Integrationskurs ist zu Ende. 900 Stunden Sprachkurs und 45 Stunden Deutschland. Einige Tage später wird herauskommen, dass alle bis auf zwei Frauen den Deutschland-Test bestanden haben. Nicht geschafft haben es Ayse, 59, und Fatili, 53, beide können kaum lesen und schreiben.

Wer den Integrationskurs besteht, kann bei der Volkshochschule den Einbürgerungstest machen, der noch um ein paar Hamburg-Fragen erweitert ist. Es gibt auch Tests, die zum Studium an einer deutschen Uni zulassen.

Die Frauen wollen heute noch nicht gehen. In den vergangenen Wochen war der Kurs eine andere Welt, sie haben sich an diese Welt gewöhnt. Sie konnten ihre Männer, ihre Kinder, ihre Aufgaben verlassen und sich um sich selbst kümmern. Jetzt scheint es so, als ob jede von ihnen das genossen hat. Sie haben Brigitte Willke Geschenke mitgebracht. Zülfiye überreicht Willke eine Tüte: ein süßes Parfüm ist darin, Deo, Shampoo und ein Waschlappen, den Zülfiyes Mutter gestrickt hat. "Du bist sehr nett. Danke für deine Hilfe", sagt sie. Rindis Geschenk sind Socken, die ihre Mutter gestrickt hat, vielleicht waren sie für eines von Rindis Kindern gedacht, sie sind viel zu klein für Willke. Und ein brauner Schal, weil Willke so gerne Braun trägt. Nafiye, die Mazedonierin, überreicht ihr eine H&M-Tüte. Ihr Geschenkpapier hat nicht ganz ausgereicht für den Karton darin. Aber sie hat gehört, dass man in Deutschland Geschenkpapier benutzt. In dem Karton sind mehrere Gläser, in die man Kerzen stellen kann.

Yasemin will in Deutschland bleiben. Sie würde gerne in einem Kindergarten arbeiten oder einer Klinik. Wenn ihr Mann sie lässt.

Zülfiye würde am liebsten zurück in die Türkei. Oft fragt sie sich, warum sie hier ist. Aber dann wird ihr Mann böse. Sie kann sich vorstellen, eine Ausbildung zur Köchin zu machen. Ayse und Fatili, die beiden Älteren, werden hier bleiben und weiter in ihrer Welt leben. Ebenso wie Hafiza und Rindi.

Nadjmeh muss hier bleiben. Im Iran wäre sie vor ihrem Mann erst recht nicht sicher. Ihr Traum ist ein Urlaub mit ihren Kindern auf den Kanaren.

Nafiye will hier bleiben. Sie will einen Beruf lernen und arbeiten gehen.

Brigitte Willke, die Lehrerin, würde gerne in den Schuldienst wechseln. Weil sie keine Kraft mehr hat. Und kein Geld. Willke hofft, dass sie 2011 ein Referendariat machen kann, auch wenn es mit dann 50 Jahren schwer für sie wird.

Die Frauen haben nun doch noch eine Lösung für ihren Klassenausflug gefunden, obwohl sie gar keine Klasse mehr sind. Sie wollen gemeinsam ins Kino. Vor dem Gebäude der Türkischen Gemeinde versammeln sie sich noch einmal für ein Abschiedsfoto. Dicke Schneeflocken fallen vom Himmel. Die Frauen lächeln. Dann gehen sie in alle Richtungen weg. Brigitte Willke schaut ihnen nach, bevor sie die Geschenke in ihr Auto lädt. Im Schnee sieht man noch die Spuren der Frauen.

Download: so-verlaeuft-ein-ik.docx

Ramazan Avci - vor 25 Jahren ein erstes Opfer

Jahrestag

Ein erstes Opfer

Vor 25 Jahren wurde Ramazan Avci in Hamburg von Nazi-Skins ermordet. Nun endlich soll eine Gedenktafel an ihn erinnern. VON MARCO CARINI

Gegen das Vergessen: Im Januar 1986 gingen die Menschen für Ramazan Avci auf die Straße. Foto: Henning Scholz

Ramazan Avci hatte keine Chance. Während seine zwei Landsleute in letzter Sekunde in einen Linienbus fliehen können, fährt der VW Golf den 26-jährigen, türkischstämmigen Mann einfach über den Haufen. Meterweit fliegt Avci durch die Luft. Als der Fahrer des Unfallwagens und mindestens drei Begleiter das Fahrzeug verlassen, tun sie es nicht, um dem Angefahrenen zu helfen. Mit Baseballschlägern und Knüppeln dreschen sie auf den Wehrlosen ein, lassen erst ab, als er bewusstlos und mit eingeschlagenem Schädel auf dem Asphalt verblutet.

Drei Tage kämpfen die Ärzte in der Intensivstation des Krankenhauses St. Georg um Avcis Leben. Am Heiligabend des Jahres 1985 stirbt der junge Mann, ohne das Bewusstsein wieder erlangt zu haben. Nur wenige Tage später wird sein Sohn geboren - heute fast so alt wie sein Vater, als er starb. Fünf Skinheads werden direkt nach der Tat festgenommen, vier von ihnen später zu Freiheitsstrafen zwischen drei und zehn Jahren verurteilt.

Zum kommenden Dienstag ruft eine "Initiative zu Gedenken an Ramazan Avci" unter dem Motto "Kein Schweigen! Kein Vergessen!" um 17 Uhr zu einer Trauerkundgebung am Bahnhof Landwehr auf, unweit der Stelle, an der Avci überfallen wurde. Die Demonstranten wollen dort die Anbringung einer Gedenktafel und die Umbenennung des Bahnhofsvorplatzes in Ramazan-Avci-Platz fordern.

Der todbringende Überfall, einer der ersten bekannt gewordenen rassistischen Übergriffe mit tödlichem Ausgang in Deutschland, löste vor 25 Jahren große Bestürzung aus - auch im Ausland. Von einem aus 250 Kraftfahrzeugen bestehenden Autokorso wurde Avcis Leiche quer durch Hamburg zum Flughafen begleitet, um von dort aus nach Ankara überführt zu werden. Innerhalb der türkischen Community wurden bürgerwehrähnliche Gruppen zur Selbstverteidigung gegründet. "Hamburger Türken wehren sich - der Mordfall Avci drängt Rivalitäten in den Hintergrund", titelte damals die Frankfurter Rundschau. In Hamburg gründete sich das "Bündnis Türkischer Einwanderer", aus dem später die Türkische Gemeinde Hamburg wurde.

Und während die Gefahr rassistischer Mörderbanden allmählich in das Bewusstsein der Öffentlichkeit drang, feierte die rechtsradikale Szene, glaubt man der Analyse des Autors Markus Messics, einen regelrechten Aufschwung. In seinem Buch "Skinheads: Antirassisten oder rechte Schläger?" schreibt der Publizist: "Angekurbelt durch die massive Berichterstattung der Medien über den von Nazi-Skins getöteten Türken Ramazan Avci kam es ab 1985 zu einer regelrechten Invasion der Nazi-Skins."

Auf der Hamburger Trauer-Demonstration, an der 15.000 Menschen teilnahmen, forderte der spätere Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Hamburg, Hakky Keskin, die Bundesrepublik möge sich endlich als Einwanderungsland begreifen, "nicht mehr vom Verständnis ausgehen, wir, die Ausländer seien hier nur provisorisch". Keskins gesamte Trauerrede wurde in der Zeit abgedruckt.

Der Überfall auf Avci war dabei nicht die erste todbringende Attacke auf einen Türken in Hamburg. Bereits am 24. Juli desselben Jahres war der Bauarbeiter Mehmet Kaymakci von drei Skins zusammengeschlagen und dann in ein Gebüsch gezerrt worden. Einer der Täter zerschmetterte dem 29-jährigen den Schädel mit einer Betonplatte. "Wir wollten", gab einer der gefassten Angreifer später zu Protokoll, "den Türken fertigmachen."

Download: jahrestag-taz.docx

Ramazan Avci - Kein Vergeben! Kein Vergessen!

Kein Vergeben! Kein Vergessen!

20 Aralik 2010 00:06
Vor 25 Jahren wurde am 21.12.1985 Ramazan Avci von den Nazis angegriffen.

Am Bahnhof Landwehr hatten Nazis ihn, zusammen mit seinem Bruder und einem Freund aus einer bekannten Skinheadkneipe heraus angegriffen. Sein Bruder und der Freund konnten in letzter Sekunde in einen Linienbus fliehen, der ebenfalls von den Nazis angegriffen wurde. Ramazan Avci rannte panisch auf
die Fahrbahn. Er wurde von einem Auto erfasst und meterweit durch die Luft geschleudert. Nachdem er auf der Straße aufschlug, liefen mindestens drei Skins
auf ihn zu. Ramazan Avci wurde auf dem Boden liegend mit Baseballschlägern, Axtknüppeln und Fußtritten brutal malträtiert und verstarb am 24.12.1985 an den Folgen dieser Schläge im Krankenhaus. Wenige Tage später wurde sein Sohn geboren, der nach ihm benannt wurde.

Bereits am 24.07.1985 wurde zuvor in Hamburg Mehmet K. von Rechtsradikalen angegriffen und ermordet. Sie zertrümmerten mit einer Betonplatte seinen Schädel. Dieser Mord wurde kaum publik.

Die damaligen Reaktionen und Erklärungen waren dieselben, die bis heute nach rassistischen Übergriffen verbreitet werden. Die Täter sind verirrte und orientierungslose Jugendliche, unpolitisch, alkoholisiert, Einzeltäter, haben Angst um Arbeitsplätze, wurden von den Opfern provoziert etc.

Obwohl die Mörder von Ramazan Avci aus dem Umfeld der neonazistischen FAP stammten wurde auch hier offiziell kein politisches Motiv gesehen. Die Verharmlosung solcher Verbrechen durch Politik, Medien und die Justiz hat diesen Gruppen den Rücken gestärkt und diese zu neuen Verbrechen ermuntert. Hamburger Neonazis wie Christian Worch, Thomas Wulff, Michael Kühnen, Jürgen Rieger konnten ungestört ihre Strukturen ausbauen und zu dominierenden Figuren der deutschen Neonaziszene aufsteigen.

Die rassistische Hetze, die da lautet: es leben zu viele Ausländer (in den 80ern), das Boot ist voll (in den 90ern) findet in Deutschland aktuell seine Fortsetzung in der Figur der integrationsunwilligen Moslems, die bereit stünden Deutschland zu übernehmen.

Der Mord an Marwa al-Sherbiny am 1. Juni
2009 in einem Dresdener Gerichtsgebäude ist das Ergebnis dieser Propaganda gegen Muslime von den extremistischen Rändern der Gesellschaft bis in deren Mitte. Seit geraumer Zeit werden unter dem Deckmantel der Wissenschaftlichkeit rassistische Thesen aus der Vergangenheit wieder aufgefrischt. Es befremdet uns nicht, dass gerade die weiße Mittelschicht offen ihre Sympathien für solche Thesen bekundet und den Mut der angeblichen Tabubrecher lobt.


Der Politik kommt eine aufgeheizte Debatte und antiislamischer Rassismus sehr gelegen, kann sie doch angesichts der beschlossenen sozialen Entrechtungen und milliardenschweren Umverteilungen zu Gunsten des Finanzkapitals von ihrer neoliberalen und unsozialen Politiken ablenken. Wir dürfen uns nicht auf die Lippenbekenntnisse der Politikerschicht verlassen.

Heute erinnert in Hamburg nichts an dieses Verbrechen vor 25 Jahren.

Wir wollen Ramazan Avci gedenken und uns mit seiner Familie solidarisieren.

Wir wollen an diesem Tag auch der anderen Opfer von rassistischen Übergriffen gedenken und die Erinnerung an sie wach halten. Mehr als 137 dokumentierte Todesopfer rassistischer Gewalt sind in Deutschland seit 1990 zu beklagen. Die Dunkelziffer dürfte höher liegen.

Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist.
Wir fordern die Anbringung einer Gedenktafel und die Umbenennung des Bahnhofsvorplatzes in

Ramazan-Avci-Platz.

Kein Vergeben! Kein Vergessen!

 

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Wenig Interesse an Ramazan Avci

Gedenken

Wenig Interesse an Ramazan Avci

Die Türkische Gemeinde lädt zum Pressegespräch - und die Deutschen bleiben weg. VON DANIEL WIESE

Irgendwann, das war klar, musste das S-Wort fallen, ohne das derzeit nicht über Einwanderer geredet werden kann, sogar dann nicht, wenn sie selbst es sind, die reden. Man solle "diese undifferenzierte Diskussion" beenden, sagt also Hüseyin Yilmaz, der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde Hamburg, und nennt dann den Namen des Ex-Politikers Thilo Sarrazin, der mit seinem Muslim-feindlichen Bestseller "Deutschland schafft sich ab" das Land spaltet.

Dabei geht es doch hier im Saal der Türkischen Gemeinde gar nicht um Einwanderer, die sich in die Sozialsysteme einschleichen, sondern um Ramazan Avci, der erschlagen wurde, weil Skinheads, die ihn gar nicht kannten, eine Wut hatten auf Türken. Neben Yilmaz, dem hanseatisch anmutenden Vorsitzenden in Nadelstreifen, sitzen rechts Avcis Witwe und links dessen Sohn Ramazan junior, und neben dem Sohn noch der Bruder des Ermordeten.

25 Jahre ist die Tat her, die letztlich zur Gründung der Türkischen Gemeinde führte, deswegen hat man hierher eingeladen. Es ist eine Mischung aus Pressekonferenz und Gedenkstunde, der Sohn erzählt zuerst. Er habe erst mit elf oder zwölf davon erfahren, wie sein Vater gestorben sei, "keine Ahnung warum, wahrscheinlich damit ich keinen Nervenzusammenbruch kriege", sagt er, er ist nervös wegen der Presse, die bis auf die taz ausschließlich aus türkischen Medien besteht.

Der Mutter fällt es schwer, darüber zu sprechen, sie redet auf Türkisch, der Bruder des Ermordeten auch, er hatte den Jüngeren nach Deutschland geholt, 1980 war das. Yilmaz übersetzt, dann sagt er, dass die Forderungen von damals immer noch aktuell seien: Mitsprache, gleiche Chancen. "Ich hoffe, dass wir nicht noch mal 25 Jahre warten müssen", sagt er, dann überreicht er der Witwe einen Blumenstrauß. Die türkischen Journalisten fotografieren.

 

http://www.taz.de/1/nord/hamburg/artikel/1/wenig-interesse-an-ramazan-avci/

 

Download: gedenken-taz.docx

Vor 25 Jahren ermordet - Ramazan Avci

Einladung zu einem

Pressegespräch

mit der der Frau des Ermordeten, Gülistan Avcı
und dem Sohn Ramazan Avcı jun.

am Freitag, dem 17.12.2010, 11:30 Uhr
Türkische Gemeinde Hamburg, Hospitalstr. 111, 22767 Hamburg

Weihnachten jährt sich der Tag der Ermordung von Ramazan Avcı. Er starb vor nunmehr einem Vierteljahrhundert einen sinnlosen Tod, erschlagen von fanatisierten rechtsradikalen Skinheads.

Sein Tod war gleichzeitig die Geburtsstunde der Türkischen Gemeinde Hamburg. Aus Betroffenheit und um ein deutliches Zeichen gegen Rassismus und Ausländerfeindlichkeit zu setzen, kamen Menschen, Vereine, Gruppen und Institutionen zusammen und gründeten das »Bündnis Türkischer Einwanderer (TGB)«.

Heute, 25 Jahre später, haben die damals aufgestellten Forderungen nichts an Aktualität verloren. Immer noch werden Migranten und ihre Nachkommen ausgegrenzt; von echter Teilhabe kann keine Rede sein. Gleichberechtigung steht allzu oft nur auf dem Papier der Gesetzbücher. Es gibt politisch noch viel zu tun, nutzen wir die anstehenden Wahlen!

Doch Ramazan Avcı soll nicht umsonst gestorben sein. Indem wir uns seiner erinnern, wollen wir ein Zeichen setzen, ein Zeichen gegen Rassismus und Ausländerhass. Der Ort seines Todes sollte seinen Namen tragen, eine Gedenktafel stets Mahnung sein.

 

Wir unterstützen außerdem die Kundgebung am

Dienstag, dem 21.12.2010, 17:00
S-Bahnhof Landwehr,

dem Ort des Mordes an Ramazan Avcı, die dem gewaltfreien Gedenken an alle Opfer rassistischer Gewalt in Hamburg gewidmet ist, und laden dazu herzlich ein.

Mit freundlichen Grüßen

Hüseyin Yılmaz

(Vorsitzender)

Download: pm_10-12-15_pressegespraech-ramazan-avci.pdf

Neuer Standort der TGH in Billstedt ab Sommer 2011

Pressemitteilung

Die Türkische Gemeinde Hamburg freut sich, im Sommer 2011 einen neuen Standort in Hamburg-Billstedt eröffnen zu können. Möglich wurde dies durch großzügige Unterstützung seitens des Eigentümers sowie durch die Bezirksversammlung und den Bezirk Hamburg-Mitte.

Der neue Standort wird für vielfältige Aufgaben genutzt werden:

  • Unser Seniorentreff »Liman« wird von der Steinfeldtstraße ins Billstedt-Center umziehen und dort einen eigenen, vom normalen Betrieb getrennten Bereich erhalten. Die zentrale Lage, eine bessere Verkehrsanbindung sowie moderne Räumlichkeiten werden die Attraktivität des Treffs deutlich steigern

–    eine Kooperation mit Sportspaß direkt nebenan bietet auch den Senioren vielfältige Möglichkeiten, sich altersgerecht körperlich fit zu halten,

–    durch vielfältige Beratungsangebote und Veranstaltungen in mehreren Sprachen (Türkisch, Dari, Englisch) wollen wir die Lebenssituation von Senior/innen verbessern,

  • Durch eine enge Kooperation mit der afghanischen Community soll die Inte­gration der zahlreichen afghanisch-stämmigen Bürger Billstedts unterstützt werden.
  • Unser Projekt »Fit für die Ausbildung« wird hier ebenfalls ein neues Zuhause finden und mit zahlreichen Angeboten den Standort aufwerten:

–    Berufsvorbereitung und Unterstützung bei der Bewerbung

–    Workshops für Schülerinnen und Schüler

–    Hausaufgabenbetreuung, Nachhilfeunterricht und individuelle Betreuung für Projektteilnehmer/innen

–    Elternstammtisch

–    Schülerberatung

  • Eine enge Zusammenarbeit mit den ortsansässigen Firmen soll zur Bildung eines Ausbildungs- und Praktikumspools genutzt werden.
  • Suchtberatung, insbesondere Spielsucht
  • Rechtsberatung
  • Integrationskurse
  • Sportangebote für Frauen und Kinder bei mehreren Sportvereinen
  • breites Veranstaltungsangebot
  • Förderung des Ehrenamtes

Die Aus- und Umbaumaßnahmen sollen im Sommer abgeschlossen sein. Wir werden den neuen Standort im Rahmen einer Veranstaltung eröffnen und bieten allen Vereinen, Institutionen und Gremien in Billstedt eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit an.

Mit freundlichen Grüßen

Hüseyin Yılmaz

(Vorsitzender)

Mölln: Gedenkveranstaltung am 23.11.

Mitglied in der Türkischen Gemeinde in Deutschland und im Paritätischen Wohlfahrtsverband

 

 

Hamburg 19.11.2010

 

 

Pressemitteilung

Mölln: Gedenkveranstaltung am 23.11.

 

Der Brandanschlag vom 23. November 1992 auf zwei von türkischen Familien bewohnte Häuser im schleswig-holsteinischen Mölln, bei dem die Mädchen Yeliz Arslan und Ayşe Yılmaz sowie ihre Großmutter Bahide Arslan in den Flammen umkamen, jährt sich zu 18. Mal.

Wir wollen die Erinnerung an dieses schreckliche Ereignis bewahren, damit sich derartiges nicht wiederholt. Wir wollen aber auch nach vorn schauen und gemeinsam etwas für die Zukunft tun, für eine gemeinsame friedliche Zukunft aller hier lebenden Menschen, welcher Herkunft auch immer.

Auch in diesem Jahr wollen wir diesen Tag würdig begehen und rufen dazu auf, an der Gedenkveranstaltung am

Dienstag, dem 23. November, 17:00 Uhr

teilzunehmen.

Das Programm beginnt um 17:00 in der DITIB-Moschee »Fatih Sultan Mehmet«, Hauptstr. 101 und wird ab ca. 18:00 mit einem Besuch bei Familie Arslan und anschließender Kranzlegung fortgesetzt, an der u.a. der Generalkonsul der Republik Türkei aus Hamburg sowie der stellvertretende Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Hamburg mitwirken. Ende ca. 20:00.

Es besteht eine Fahrgelegenheit mit dem Bus:

Abfahrt 15:30 Bahnhof Dammtor, Shell-Tankstelle Theodor-Heuss-Platz

Hüseyin Yılmaz

(Vorsitzender)



Start der Einbürgerungskampagne in Hamburg

Senator Dietrich Wersich, Weltboxmeisterin Susi Kentikian und Sternekoch Ali Güngörmüş posierten mit großem Anker in den Farben der Deutschlandflagge zum Start der Einbürgerungskampagne in Hamburg am 04.11.2010 auf der Rickmer Rickmers.

Mit dieser Kampagne will die Stadt Hamburg mitten in der

 

Einbürgerung Hamburg

Einbürgerungskampagne

Prominente unterstützen Einbürgerungskampagne

Prominente werben für die deutsche Staatsangehörigkeit

Die Welt: Deutscher werden

Die Deutschstunde

"Die Zeit" vom 21.06.2010 

Download: 2010-06-21_die-zeit_die-deutschstunde.pdf

Parkfest am 4.7. Pressemitteilungen

30.06.2010

Pressemitteilung des Senats 

Download: pm_senat__tgh-fest-schulreform.pdf

Hamburg Egitim Reformunu anlattilar

17.06.2010

Download: 2010-06-17_gazete_hamburg_egitim_reformunu_anlattilar.pdf

Neuer Webauftritt der TGH

30.06.2010

Die Türkische Gemeinde in Hamburg und Umgebung e.V. ist mit einem neuem Design Online gegangen.

Migranten-Organisationen für Hamburger Schulreform

02.06.2010

Hamburg (dpa/lno) - Führende Migrantenorganisationen haben sich klar für die Hamburger Schulreform ausgesprochen. Sowohl die türkische Gemeinde Hamburg als auch die Alevitische Gemeinde der Hansestadt forderten am Mittwoch alle wahlberechtigten Migranten auf, beim Volksentscheid am 18. Juli für die Schulreform zu stimmen. Es gebe keine plausiblen Argumente dagegen, sagte der Vorsitzende der türkischen Gemeinde, Hüseyin Yilmaz. Sein Kollege von der Alevitischen Gemeinde, Cengiz Orhan, betonte: «Wir als Migrantenorganisationen (...) sagen in Hamburg klar ja zur Schulreform, weil wir in ihr einen wichtigen Schritt nach vorne hin zur Integration sehen.» Quelle: welt.de

Download: 2010-06-03_die-welt_schulreform.pdf